Dominant und unsicher zugleich

Lieber José Arce, liebes Team, ich habe folgendes Problem:

Seit knapp zwei Jahren habe ich eine Hündin aus Kroatien. Sie heißt Emma.

Sie ist sehr unsicher, aber ich glaube, wir haben schon viel erreicht. Nun hat sich mein Freund auch einen Hund angeschafft, einen 11 Monate alten Rüden aus Rumänien.

Wir leben nicht zusammen, sondern verbringen nur die Wochenenden gemeinsam, mal bei ihm, mal bei mir.

Zur Zeit der ersten Kontaktaufnahme war meine Hündin läufig und hat den Rüden ständig animiert, sie zu besteigen. Er ist kastriert, hatte aber trotzdem großes Interesse an ihr.

Nun ist die Läufigkeit vorbei, und wenn er jetzt an ihr schnüffeln will, bekommt er eine energische Ansage. Auch sonst ist sie sehr dominant ihm gegenüber.

Wenn er sich uns nähert, um zu schmusen, geht sie sofort dazwischen und drängt ihn weg. Man könnte meinen, sie kontrolliert ihn. Sie bestimmt, wo es lang geht.

Auch die Spiele draußen sind geprägt von ihrer Dominanz: Sie darf alles, er nichts. Dadurch, dass er in einem großen Rudel gelebt hat, ist er sehr souverän; sie hingegen

ist Einzelhund und kommt mit dem neuen Gefährten noch nicht so zurecht. Nun müs- sen die zwei ja jedes Mal aufs Neue ihre Rangordnung festlegen. Was mich jedoch sehr irritiert, ist, dass meine Hündin dem Rüden permanent das Maul leckt. Ich lese überall, dass es sich dabei um eine Demutsgeste handelt. Aber das passt nicht zu ihrem ansonsten dominanten Verhalten.

Wie deuten Sie das ständige Maulschlecken?

Ein schönes Wochenende,

LG, Silke mit Emma

 

Liebe Silke,

Ihre Hündin ist unsicher, verhält sich dem Rüden gegenüber dominant und entscheidet, wer an Ihre Seite darf. Das erklärt schon alles. Emma braucht einen Menschen, der ihr Sicherheit gibt und Entscheidungen nicht ihr überlässt.

Zeigen Sie ihr, dass Sie entscheiden, wann und mit wem geschmust wird.

Die Kontrolle, die Emma übernimmt, wenn sie auf den Rüden trifft, müssen Sie ihr abnehmen. Genau dass zeigt sie Ihnen, wenn sie dem Rüden das Maul leckt.

In diesem Moment fühlt sie sich wohl und hat ihren Platz gefunden.

Es ist eigentlich sehr einfach: Übernehmen Sie die Verantwortung, wenn die Hunde sich treffen.

Lassen Sie ab jetzt nicht zu, dass ein unsicherer Hund die Verantwortung für die Situation trägt.

Auch im Alltag, wenn die Hunde nicht zusammen sind, sollten Sie Emma das Gefühl von Sicherheit geben, indem Sie jede Situation steuern. Sie werden schnell beobachten, dass sie sich dann wohler fühlt.

Mit lieben Grüßen, José Arce

Fragen an José Arce & Team an:

hunderatgeber.mz@epi.es, Telefon: 971-52 06 03

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