Statt zu kuscheln, wird gebissen

Sehr geehrter Herr Arce,

wir haben vor ein paar Tagen einen sechsmonatigen Welpen aus Ungarn mitgebracht. 
Er ist ein Mix aus Schnauzer und Magyar Vizsla. 
Wir haben bereits zwei ältere Hundedamen zu Hause (7 und 10). 
Der Kleine macht sich gut. Reagiert auf seinen Namen, schläft durch und ist stubenrein, geht schon ganz gut an der Leine, hört auf Sitz! , ist auf- geschlossen gegenüber Mensch und Tier ... aber er beißt ständig! 
Beim Kuscheln, beim Bürsten, manchmal im Spiel, oft vor Aufregung, er übertreibt dann regelrecht. Ich bin schon überall verkratzt. Wenn ich ihn ignoriere, schnappt er in die Beine. Wenn ich schimpfe oder ihn weg- schubse, schnappt er erst recht nach. Ich kenne das von meinen beiden Mädels nicht, und die haben wir auch großgezogen. Ich weiß auch nicht, was er in Ungarn erlebt hat. Er wurde vor unserer Haustür ausgesetzt. Er möchte ja sogar kuscheln, kann aber anscheinend nicht genießen. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass er ein Rüde ist. 
Unsere Mädels provoziert er ständig und kläfft sie an, wenn sie meine Nähe suchen oder gestreichelt werden, selbst wenn ich ihn miteinbeziehe. 
Er scheint eher Chef sein zu wollen, als sich dem Rudel zu unterwerfen. 
Ich weiß, dass ich in der kurzen Zeit keine Wunder erwarten darf. Vielleicht bin ich auch verwöhnt von meinen bisherigen Erfahrungen. Ich weiß diesmal echt nicht weiter, das hatte ich noch mit keinem meiner Hunde. 
Danke und liebe Grüße, Sonja 

Hallo Sonja, 
meine Erklärung mag Ihnen ein wenig widersprüchlich vorkommen, aber das hat seinen Grund. Sie schreiben, dass Sie einen sechs Monate alten Welpen aus Ungarn haben. Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass Ihr Hund kein Welpe mehr ist, er benimmt sich nur so! Sein einziges Problem ist, dass er seine Grenzen austesten will. Damit Sie Ihrem Hund helfen können, müssen Sie wissen, dass Welpen durch Beißen und Knabbern ihre Grenzen austesten. Schon die Hundemutter setzt da Grenzen bei ihren Welpen. Wenn ein Welpe dann zu einem Menschen kommt, lernt er schnell, dass der Mensch dieses Verhalten nicht mag. Diese Grenzen wurden Ihrem Hund nicht gezeigt! Ihr Hund hat also nicht gelernt, wann und wo er aufhören muss und wie gut ihm Ruhe tut. Das müssen Sie jetzt nachholen. Machen Sie das nun bitte so, als wenn er noch ein Welpe wäre. Sehr wichtig ist auch, sofern ihre beiden Hündinnen keine Probleme machen, dass Sie trotzdem mit den drei Hunden einen ausgedehnten und disziplinierten Spaziergang machen. Danach ist es viel einfacher für Sie, zu Hause dafür zu sorgen, dass die Hunde erst einmal ihre nötige Ruhe bekommen. Wenn Ihr Kleiner dann wieder beginnt, unruhig zu werden, müssen Sie sofort dafür sorgen, dass er aufhört und sich auf seinem Platz ausruht. Dafür gibt es keine Tricks oder eine Anleitung. Es ist wie mit einem kleinen Kind, das an seiner Mutter kratzt und nicht einschlafen will. Mit etwas Geduld versteht Ihr Hund schnell, wo seine Grenzen sind und wie schön es ist, an Ihrer Seite die Ruhe zusammen mit Ihnen zu genießen. Viel Erfolg! José Arce 

Bei Männern ist das Misstrauen groß

Hallo José,

auch wir haben ein Problem mit unserem Hund, und wir hoffen, Hilfe von Ihnen zu bekommen. Er ist ein Labrador-Mischling, 20 Monate alt und kommt aus Kroatien. Mit sieben Monaten haben wir ihn bekommen und festgestellt,

dass er ein sehr unsicherer Hund ist. Wir haben ihm alles zeigen müssen, damit er die Angst vor den Dingen verliert. Das hat alles soweit geklappt, und er ist ein richtiger Traumhund. Nur vor Menschen hat er sehr große Angst. Im Haus werden Besucher verbellt, und teilweise will er auch schnappen. Wir haben eine Box eingeführt, in die er geschickt wird, sobald es klingelt. Das klappt jetzt gut. Die Box ist für ihn eine Schutzhöhle, die er gerne auch zum Schlafen nutzt.

Uns akzeptiert er, wir dürfen alles mit ihm machen. Andere dürfen ihn nicht anfassen, da scheut er dann zurück. Der Tierarzt hat ihn auch noch nicht anfassen dürfen, ergo auch nicht untersuchen können.

Sind wir unterwegs, sprechen wir mit den entgegenkommenden Menschen, damit er sieht, die Fremden machen nichts. Es ist auch schon besser geworden. Beim Tierarzt waren wir wöchentlich zum Üben, da er aber ein Mann ist, ist das Misstrauen groß.

Nun eröffnet eine Tierärztin eine Praxis bei uns und wir wollen dorthin wechseln. Haben Sie für uns Tipps, wie wir das jetzt am besten aufziehen, ohne dass das wieder schiefgeht? Wir sind über jede Hilfe froh, die unseren Vierbeiner weiterbringt.

Vielen Dank!

Liebe Grüße, Barbara


Hallo Barbara,

es ist toll, was Sie bisher erreicht haben. Probleme mit ängstlichen Hunden sind sehr häufig. Sie haben bisher immer versucht, Ihrem Hund die Ängste zu nehmen,

indem Sie ihn an sein Problem herangeführt haben.

Sie haben beispielsweise mit den Menschen gesprochen, die Ihnen begegnet sind, oder ihm zu Hause einen sicheren Raum zur Verfügung gestellt, in den er sich zurückziehen darf.

Aus diesem Grund glaube ich, sollten Sie auch bei dem Tierarzt dabei bleiben und nicht unsicher werden, weil Sie denken, der Hund hat Probleme mit Männern.

Jetzt zu einer Tierärztin zu wechseln, wird das Problem nicht lösen.

Dort, wo Ihr Hund Ihnen zeigt, dass er unsicher ist oder dass er Angst hat, ist genau dort, wo Sie ihm weiterhelfen müssen.

Hier dürfen Sie nicht ausweichen. Männer begegnen Ihnen überall, zu Hause und auch auf der Straße! Sie haben bislang alles so gut gemacht. Bitte geben Sie jetzt nicht auf. Ansonsten werden Sie genauso unsicher.

Machen Sie alles so wie bisher: erst einen ausgedehnten, sicher geführten Spaziergang. Danach zum Tierarzt.

Dort sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund entspannt ist. Führen Sie ihn auf den Behandlungstisch, nehmen Sie sich die Zeit, bis er sich hinsetzt und schließlich auch hingelegt. Erst, wenn Ihr Hund und auch Sie total entspannt sind, sollte der Tierarzt sich nähern. Sehr wichtig ist hierbei, mit sehr viel Geduld vorzugehen.

Bitten Sie Ihren Tierarzt, sich dafür Zeit zu nehmen.

Viel Erfolg!

José Arce

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Hund und Katze, klappt das?

Lieber José Arce, 

wir haben seit zehn Monaten eine Hündin aus dem Tierheim. Sie hat leider viele Angewohnheiten, die allesamt damit zusammenhängen, dass sie scheinbar für alles verantwortlich sein möchte. 

Ein weiteres Problem, dass uns sehr beschäftigt, ist, dass die Hündin Katzen wahrscheinlich nie kennengelernt hat, was wir erst erfahren haben, als sie bereits bei uns zu Hause war. Somit haben wir auch viele Fehler begangen, was das Zusammenführen der beiden Tiere angeht. Nun jagt und bellt die Hündin die Katze an. 

Wie schaffen wir es, Harmonie zwischen den beiden Hausgenossen herzustellen? Die Katze hat genügend Versteckmöglichkeiten und ich versuche, die Hündin immer auf ihren Platz zu schicken, wenn ich zur Katze gehe. 

Wie sollen wir vorgehen, wenn unsere Hündin sich total verliert und wir sie nicht mehr erreichen, egal ob mit Worten oder mit Anfassen? Sie verliert sich so extrem, dass man nicht mehr an sie rankommt.

Vielen lieben Dank im Voraus und liebe Grüße aus der Schweiz, 

Carmen

 

Liebe Carmen, 

Ihre Hündin steckt in einen Teufelskreis. Sie haben schon richtig bemerkt, dass sie noch nicht verstanden hat, dass sie bei Ihnen angekommen ist und Sie für sie sorgen. Das ist in manchen Fällen sehr schwierig bei Hunden, die lange für sich alleine verantwortlich waren. Nun braucht es besonders viel Geduld, Konsequenz und Liebe, Ihrer Hündin zu zeigen, dass sie sich zu Hause entspannen kann und nicht mehr die Verantwortung trägt. Das erreichen Sie nur, indem Sie ihr Leben sehr stark bestimmen. 

Je mehr Sie zeigen, dass Ihre Hündin sich nach Ihren Vorgaben zu richten hat, desto schneller wird sie verstehen, dass sie nicht mehr die Verantwortung haben muss. Erst, wenn sie das verstanden und gelernt hat, können Sie das zweite Problem mit der Katze angehen. Also üben Sie bitte gerne stark und übertrieben, sie auf ihren Platz zu schicken, Sitz zu machen, sich hinzulegen, auf ihr Futter zu warten und so weiter. Machen Sie den strukturierten Spaziergang und sorgen Sie dafür, dass, wenn die Katze in den Raum kommt, Sie reagieren, bevor Ihr Hund reagieren kann, Sie also Ihre Hündin rechtzeitig auf ihren Platz schicken, an dem sie sich dann hinzulegen hat. Üben Sie das zuerst, ohne dass die Katze im Raum ist. So bekommt Ihre Katze dann den nötigen Raum und Respekt von der Hündin, sodass auch zwischen den beiden Ruhe einkehrt. Die Hündin lernt so, dass die Katze in der Familie über ihr steht. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und die nötige Ruhe und Liebe, um diesen Fall zu lösen. 

Ihr José Arce 

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Wenn die Hunde allein sind, machen sie Party

Hallo Herr Arce,

wir haben zwei Hunde: eine deutsche Dogge, und nun seit zwei Wochen einen kleinen jungen, bereits kastrierten Straßenhund aus Rumänien. Er hat schnell gelernt, die Leine und das Halsband zu akzeptieren, war von Anfang an stubenrein und hört mittlerweile auch auf seinen Namen. Wir gehen täglich mindestens vier Kilometer. Als er ankam, haben wir versucht, ihn nicht zu verhätscheln, denn mit jeder Zuneigung wurde er äußerst rappelig. Wir haben dann begonnen, ihm nur Zuneigung zu geben, wenn er ruhig und ausgeglichen war. Nun zum eigentlichen Problem, das uns den letzten Nerv raubt: Manchmal jammert er, wenn wir den Raum verlassen, wenn wir ins Bett gehen, manchmal einfach so, obwohl wir da sind. Irgendetwas haben wir falsch gemacht. Wenn er mit der Hündin allein zu Hause ist, machen die beiden eine regelrechte Hundeparty . Er zerstört auch Sachen, wenn wir nicht da sind. Wir kennen das von unserer Hündin nicht. Sie hat nie etwas angekaut. Was können oder müssen wir tun?

Liebe Grüße, Ulrike, André, Isalie und Egon

 

Liebe Ulrike,

Sie haben nichts falsch gemacht. Im Gegenteil in so kurzer Zeit haben Sie schon so viel erreicht. Es ist wichtig, dass Sie mit dem kleinen Egon mit viel Empathie von Anfang an neu beginnen. Ganz so, als wäre er noch ein Welpe.

Zunächst sollten Sie aber verstehen, warum sich der Kleine so verhält:

Egon kommt von der Straße; für ihn ist es ungewohnt, nun bei Ihnen in einer

Familie zu leben. Das zeigt er auch durch die Geräusche, die er von sich gibt.

Sein Jammern bedeutet einfach, dass er sich unsicher fühlt. Das Toben und Spielen mit Isalie bedeutet nichts anderes, als dass die Hunde auch unter sich in so kurzer Zeit noch nicht alles geklärt haben. All das zusammen verursacht dann Stress, und es kommt vor, dass eben auch Sachen zerstört werden. Sie bekommen das aber mit Sicherheit hin!

Beginnen Sie mit Egon so, wie Sie es mit einem Welpen tun würden. Machen Sie kleine Schritte. Lassen Sie die Hunde in kleinen Abständen allein. Sie können Egon auch einen großen Kauknochen geben, wenn Sie ihn allein lassen, aber auch wirklich nur dann. So bekommt er relativ schnell bei ihnen zu Hause die Sicherheit, die ihm noch fehlt, und beide Hunde lernen, in Ruhe allein zu bleiben. Das Jammern verschwindet sowieso ganz nebenbei, je sicherer Egon sich bei Ihnen zu Hause fühlt.

Mit lieben Grüßen, José Arce


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Mein Hund frisst Fäkalien

Lieber José Arce, ich brauche dringend Ihren Rat!

Ich habe eine anderthalb Jahre junge Hündin zu mir genommen, sie lebte auf der Straße in Rumänien. Es kostete mich Arbeit, bis sie Vertrauen zu mir, anderen Hunden und fremden Menschen aufbaute. Sie ist sehr sozial zu anderen Hunden, teilweise ein wenig unsicher.

Wenn ich mit ihr alleine Gassi gehe, gehorcht sie auch gut. Und wenn wir andere Hunde treffen auch. Bei guten Freunden, tut die Hündin so, als wolle sie mit ihnen spielen. Aus dem Spiel heraus rennt sie aber weit weg ins Gebüsch und frisst Fäkalien von Menschen und von Hunden. Wir leben in Berlin und leider sind die Parks und Wälder voll damit!

Wenn ich Nein sage, reagiert die Hündin sofort, kommt zu mir und bekommt zur Belohnung ein Leckerli. Ich muss immer total aufmerksam sein, und dies ist sehr anstrengend. Ich kann ihr doch das Spielen nicht verbieten, nur weil sie solche Sachen frisst!

Wie soll ich weiter vorgehen, lieber Herr Arce? Ich habe jetzt ein Sprühhalsband als Unterstützung bestellt, doch das löst natürlich nicht das ursprüngliche Problem.

Was geht in dem Hundekopf vor? Wo liegen die Fehler? Bei mir?

Liebe Grüße, Angela


Liebe Angela, verstehen Sie bitte erst einmal, dass ein Hund, der lange auf der Straße gelebt hat und dort eben auch für sich gesorgt hat, um zu überleben. Für diese Hunde ist es dann besonders schwer zu verstehen, dass sie nun bei einem Menschen sind und nicht mehr für sich sorgen müssen.

Ihr Hund hat sich vermutlich in seinem Straßenleben an diese unangenehme Futtersuche gewöhnt und zeigt Ihnen dadurch, dass er noch immer auf der Suche nach Fäkalien ist und diese auch noch frisst, dass er noch nicht verstanden hat, dass Sie nun für ihn sorgen. Sie müssen verstehen, dass Sie ihrem Hund nur dann helfen können, wenn Sie genau das Gegenteil von dem tun, was Sie bisher mit ihm gemacht haben. Spielen sowie Freilauf auf der Wiese oder im Wald hilft Ihnen da nicht.

Ihr Hund braucht genau das Gegenteil, um zu verstehen, wer nun für ihn sorgt und dass sein Leben sich um 360 Grad gedreht hat und ein Mensch sein Futter organisiert. Spaziergänge durch Berlin an der Leine, bei denen der Hund lernt, dass Sie die Verantwortung haben und ihn führen, sind wichtig. Nach dieser gemeinsamen Arbeit bekommt er dann zu Hause sein Futter.

Bitte, bitte benutzen Sie kein Sprühhalsband! Das verunsichert den Hund nur noch mehr! Besitzern eines adoptierten Hundes lege ich gern die Befolgung folgender Regeln ans Herz:

1. Erkennen Sie Ihren Hund.

2. Respektieren Sie Ihren Hund.

3. Lieben Sie Ihren Hund.

Wobei genau diese Reihenfolge ein- gehalten werden muss. Das ist besonders wichtig für Hunde, die das Vertrauen in den Menschen verloren haben. Sie haben schon viel geschafft, und ich bin sicher, das schaffen Sie auch noch!

Liebe Grüße, José Arce


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Es muss nicht immer spielen sein ...

Hallo José, ich habe eine zehn Monate alte kleine Mischlingshündin, die ich mit fünf Monaten aus dem Tierheim von Gran Canaria aufgenommen habe. Ich wohne in der Stadt, und sie tut sich sehr schwer mit den ganzen Stadtgeräuschen. Sie bellt und knurrt alles an: Menschen, Kinder, Fahrräder ... Die meisten Hunde werden auch angebellt. Wenn sie dann aber Kontakt zu dem fremden Hund hatte, ist alles gut, und sie möchte spielen oder einfach weitergehen. Ich setze jetzt auf einen disziplinierten Spaziergang und folge Ihrem Rat, diesen beim Anleinen zu Hause beginnen zu lassen. Da ich im fünften Stock wohne, trage ich sie immer runter wegen der Gesundheit der Beingelenke. Ist das schon ein Fehler? Sollte ich sie die Treppen selbst laufen lassen? Ich habe auch das Gefühl, dass sie gar nicht runtergetragen werden möchte, da sie immer aus- weicht, wenn ich sie hochnehmen möchte.

Eine Frage hätte ich noch: Sie sitzt sehr oft vor mir und schaut mich die ganze Zeit an. Erwartet sie dann vielleicht eine Ansage von mir? Ich streichle sie dann oder spiele mit ihr, was sie dann aber auch nicht immer möchte.

Können Sie deuten, was sie von mir erwartet?

Liebe Grüße aus Stuttgart, Simone


Liebe Simone,

erst einmal finde ich es klasse, dass Sie einen Hund adoptiert haben, egal woher er auch kommt. Was man aber wissen muss, ist: Was ist das für ein Hund, der da nun zu uns gekommen ist? Oftmals kennen wir die Vorgeschichte nicht. Umso wichtiger ist es nun, den Hund genau zu beobachten. So wie Sie Ihre Hündin beschreiben, hat sie schon sehr früh gelernt, für sich selbst zu sorgen und die Verantwortung zu übernehmen. Jetzt muss sie lernen, dass diese Verantwortung bei Ihnen liegt und Sie ihr Ihre Menschenwelt zeigen. Sie muss lernen, dass sie Ihnen vertrauen kann und ihr an Ihrer Seite nichts passieren wird. Natürlich ist es dafür wichtig, dass Sie in der Stadt den disziplinierten Spaziergang anwenden, der dann eben unten vor dem Eingang beginnt. Wenn Ihre Hündin dann wieder andere Hunde anbellt oder sonst irgend- wie auf Geräusche reagiert, müssen Sie dafür sorgen, dass sie sich hinsetzt und dann hinlegt. Erst wenn Ihre Hündin wieder ruhig ist, setzen Sie den Spaziergang fort. So werden Sie mit der nötigen Geduld, dem nötigen Respekt und der nötigen Liebe in kurzer Zeit das Vertrauen Ihres Hundes gewinnen. Ihr Hund wird sich an Ihrer Seite immer sicherer fühlen und nicht mehr eigenverantwortlich auf alles andere reagieren.

Es ist in Ordnung, dass Sie den Hund vom fünften Stock runtertragen, aber ich hoffe für Sie, dass Sie sehr bald eine Wohnung finden, die besser für Sie beide geeignet ist. Wenn Ihre Hündin Sie so anschaut, kann es sein, dass sie unterfordert ist und einfach mehr mit Ihnen erleben möchte. Das muss nicht unbedingt immer spielen sein, ein langer Schaufensterbummel ist auch toll.

Liebe Grüßen und viel Erfolg Ihr José Arce

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Ein Polizeihund außer Dienst

Sehr geehrter Herr Arce,

seit seit Dezember 2015 habe ich eine Deutsche Schäferhündin. Sie ist mittlerweile sechs Jahre alt. Bis September 2015 wurde sie im aktiven Polizeidienst als Fährtenhund eingesetzt.

Mein Problem: Ich würde sehr gern wieder mit ihr Ball spielen. Das artet jedoch jedes Mal völlig aus. Sobald sie den Ball sieht, regt sie sich extrem auf. Wenn ich nicht sofort werfe, springt oder bellt sie mich an. Werfe ich dann, sprintet sie sofort hinterher, bringt ihn aber nicht zu mir zurück. Auf Rückruf kommt sie dann. Den Ball gibt sie mir nicht; gehe ich mit der Hand an den Ball, kämpft sie und zieht. Trotz mehrfachem „Aus“-Kommando gibt sie ihn selten frei, und wenn doch, habe ich kaum eine Chance, ihr den Ball ohne schnelles Wegziehen am Halsband wegzunehmen. Beende ich die Spielphase und stecke den Ball in meine Jackentasche, kriecht sie mit der Schnauze so lange in meine Tasche oder beißt rein, bis sie ihn hat. Ein entspanntes Weiterarbeiten ist kaum möglich. Ihre komplette Konzentration liegt bei diesem Ball. Ich hoffe auf Ihren Rat, damit wir bald schmerzfrei Ball spielen können!

Mit freundlichen Grüßen, Katja und Aisha


Hallo Katja,

Sie haben eine Hündin aufgenommen, die für eine sehr spezielle Aufgabe und Arbeit trainiert wurde. Diese Arbeit hat für sie mit höchster Konzentration und Anstrengung zu tun gehabt. Wenn diese Hunde erfolgreich waren, wurden sie mit einem Spielzeug belohnt und sozusagen auf dieses Spielzeug „heiß“ gemacht. Das Tier darf dann nach erfolgreicher Arbeit für einen Moment sozusagen „vor Freude ausflippen“.

Dass Ihre Hündin dieses Verhalten mit dem Ball zeigt, kommt also daher, dass sie ganz einfach so konditioniert wurde. Leider ist es so, dass sie, sobald sie den Ball sieht, nicht unbedingt den gleichen Spaß hat, wie Sie als Halterin es sich wünschen würden. Sie hat dann einfach Stress, und es ist für sie kein gemeinsames Spiel mit Ihnen. Ihre Hündin verfällt in ihren alten antrainierten Rhythmus und will dann unbedingt ihre Belohnung bekommen. Sie brauchen aber kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie mit ihr nicht mehr Ball spielen (was ich in diesem Fall empfehle). Sie können ihr ein schönes Leben schenken, indem Sie ab jetzt das Wichtigste in ihrem Leben sind. Sie darf Ihr Begleiter sein, und Sie führen sie durch die Menschenwelt. Hundesport, Rad fahren, wenn es die Gesundheit erlaubt, oder einfach gemeinsam etwas unter- nehmen – dass sollten Sie ab jetzt machen. Sie werden sehen, auch so sind Sie ein glückliches Hund-Mensch- Team!

Ich wünsche Ihnen alles Gute, José Arce

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Meine Hündin ist eifersüchtig

Hallo Herr Arce,

vor einem Vierteljahr bin ich mit meiner vierjährigen Hündin mit meinem Freund und seinem Hund in eine komplett neue Wohnung gezogen. Zuvor hat meine Hündin mich quasi für sich alleine gehabt.

Die beiden Vierbeiner waren zwischenzeitlich ein tolles Team. Nun beginnt meine Hündin jedoch, ihre Eifersucht am Hund meines Freundes auszulassen und geht hin und wieder auf ihn los. Das aber auch nur, wenn ich mit den beiden alleine bin. Weder bei meinem Freund noch wenn wir beide da sind, passiert das. Einen Auslöser konnte ich auch noch nicht erkennen. In einem Moment spielen und rennen die beiden gemeinsam über die Felder, im nächsten beißt sie auf ihn ein.

Natürlich gehe ich nach der Arbeit mit beiden spazieren. Aber Kuscheleinheiten und die Arbeit mit meiner Hündin allein versuche ich, weiterhin in den Tagesablauf einzubauen. Was kann ich machen, um Schlimmeres zu vermeiden?

Liebe Grüße, Jasmin

 

Liebe Jasmin,

Sie fragen sich nach dem Auslöser. Die von Ihnen beschriebene Situation ergibt sich nur,

wenn Sie dabei sind. Daher ist es sehr wichtig, dass Ihnen bewusst ist, dass Sie, bereits bevor der Hund Ihres Freundes hinzukam, einen Fehler mit Ihrer Hündin gemacht haben. Dieser Fehler zeigt sich jetzt, denn nun wurden die Karten neu gemischt und die Familie hat sich vergrößert. Da sucht sich dann jeder Hund seine neue Position. Ihre Hündin hat nicht gelernt, dass Sie nicht ihr Besitz sind wie ein Spielzeug, sondern die Verantwortung für sie tragen. Die Sorgen, die Sie sich im Moment um beide Hunde machen, und die Liebe, die Sie weiterhin Ihrer Hündin geben, empfindet diese als Schwäche Ihrerseits. Eben aus diesem Grund hat sie die Verantwortung übernommen

und maßregelt auch den Rüden. Sie erwähnen, dass das nicht passiert, wenn Ihr Freund da ist. Das liegt daran, dass sich Ihre Hündin dann sicher fühlt und merkt, dass sie keine Verantwortung übernehmen muss.

Mein Tipp: Bitte geben Sie ihr ab jetzt Zuneigung in Form von Spielen und Kuscheln nur noch dann, wenn Ihr Freund zu Hause ist, und auch nur in kleinen Dosen. Wenn Sie mit beiden Hunden alleine zu Hause sind, zeigen Sie ihnen, dass Sie die Verantwortung haben und für die nötige Ruhe sorgen. Das ist wichtiger als Spielen. Wenn Sie das geschafft haben, nämlich beiden Hunden zu Hause Ruhe zu schenken, dann sind Sie schon fast am Ziel. Dann können Sie auch vorsichtig und ohne es zu übertreiben wieder mit den beiden Vierbeinern kuscheln. Aber ohne sie dabei aufzuregen! So machen Sie es dann auch, wenn Sie mit ihnen draußen sind. Erst, wenn Sie es geschafft haben, auch beim Spaziergang die Verantwortung zu tragen, können Sie mit ihnen spielen.

Liebe Grüße, José Arce


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Sam hält fremde Menschen für Schafe

Hallo José,

vor ein paar Tagen habe ich Ihr Buch gelesen, deswegen schreibe ich Ihnen nun. Ich habe einen dreijährigen Australian Shepherd. Es ist ein wirklich toller Hund, der jedoch ein Problem hat: Er geht gern zu Fremden und liebt es, gestreichelt zu wer- den. Wenn sich diese Person zurückziehen will, versucht er jedoch, sie zu zwicken und dies, obwohl er gerade auf eigenen Wunsch von ihr gestreichelt wurde. Jetzt lasse ich meinen Hund Sam nicht mehr zu Fremden oder achte zumindest darauf, dass er Abstand hält. Wie könnten wir es schaffen, dass Sam das nicht mehr macht? Mich stört das sehr. Ich wäre über einen Tipp wirklich froh!

Lieben Gruß, Helmut



Hallo Helmut, Sie haben einen Hütehund! Diese Hunde haben es im Blut, Schafe zu treiben und zu zwicken, wenn die Schafe in die falsche Richtung laufen. Sie wurden durch Selektion genau für diese Aufgabe gezüchtet. Ihr Australian Shepherd ist nun dabei, genau diese Aufgabe bei den fremden Menschen auszuüben.

Gleichzeitig schreiben Sie mir, dass Sam selbst diese Streicheleinheiten einfordert, also Ihr Hund bestimmt, von wem er gestreichelt werden will. Ich denke, dass Sie genau da ansetzen sollten. Versuchen Sie bitte zukünftig zu unterbinden, dass es Ihr Hund ist, der diese Entscheidung trifft. Das bedeutet nicht, dass ich möchte, dass keiner mehr den Hund streichelt. Ich glaube nur, dass Ihr Hund eine Struktur braucht.

Sie können das gut mit Freunden trainieren. Laden Sie sie ein und üben auf der Straße eine von Ihnen gesteuerte Begrüßung. Ihr Hund bleibt dabei an Ihrer Seite sitzen, bis Sie ihm ein Signal geben. Erst dann darf er Ihre Freunde begrüßen.

Weiterhin bestimmen Sie auch, wann die Streicheleinheiten beendet werden. Sam lernt so, dass er nicht die Kontrolle über diese Menschen hat. Wenn das mit Ihren Freunden gut klappt, können Sie auch wieder ohne Angst auf Fremde treffen.

Sie müssen nur daran denken, dass Sie Sam nicht wieder selbst entscheiden lassen sollten, zu wem er läuft. Diese Entscheidung treffen Sie schließlich für ihn!

Alles Gute, José Arce

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Auch einmal gemütlich in einem Café sitzen

Hallo José, ich habe von Dir gehört und gelesen. Deine Art mit den Hunden umzugehen gefällt uns. Wir haben einen viereinhalb- jährigen Bardino-Amstaff- Mischling aus dem Tierheim von Fuerteventura zu uns genommen. Seit vier Jahren arbeiten wir daran, seinen Jagdtrieb und seine Nervosität in den Griff zu bekommen.

Sein Wesen ist unsicher, er hat gelernt dass er anderen imponiert, wenn er sich groß macht. Im Grunde ist er jedoch ein kleiner Schiss-er , denn bei allem, was sich bewegt, wenn etwas von hinten kommt, aber auch bei bestimmten tiefen Tönen, bekommt er Angst.

Ich habe die Möglichkeit, ihn mit ins Büro zu nehmen. Er springt niemanden mehr an und bleibt schön auf seinem Platz, und das, ohne dass er angebunden ist.

Aber und das ist derzeit noch unser Problem: Wenn wir irgendwo gemütlich sitzen und er einen Hund riecht oder sieht, ist er sofort wieder auf 180. Es ist dann sehr schwer, ihn wie- der zu beruhigen, und wenn man ihn dann korrigiert oder anfasst, passt ihm das so gar nicht. Nun habe ich schon so viel probiert und auch Erfolge erzielt, aber gemütlich und entspannt mit ihm in einem Café zu sitzen, das wäre schon toll.

Liebe Grüße aus der Schweiz, Pina





Hallo Pina,

so wie Sie mir Ihren Hund beschreiben, ist er nicht aggressiv, sondern einfach ein großer, unsicherer Hund. Und genau an dieser Unsicherheit müssen Sie ansetzen. Das haben Sie im Büro mit ihm ja schon geschafft, denn dort fühlt er sich sicher. Ich vermute, Sie gehen mit ihm raus in die Natur, um ihn so wenig wie möglich mit anderen Hunden oder Geräuschen in Verbindung zu bringen. So wird es jedoch schwierig, ihrem Vierbeiner die Ruhe und Sicherheit an Ihrer Seite zu vermitteln. Er kann das nur lernen, wenn Sie ihn vorsichtig und in kleinen Schritten genau mit diesen Ängsten konfrontieren.

Also gehen Sie wenn möglich in die Stadt und beginnen Sie dort vorsichtig, ihn daran zu gewöhnen, dass es viele verschiedene Geräusche und Bewegungen gibt. So haben Sie dann die Möglichkeit, ihm zu zeigen, dass Sie die Kontrolle über alles haben und er an Ihrer Seite sicher ist. Sie müssen in der Lage sein, dass Ihr Hund sich auf Kommando ablegt, wenn er einen anderen Hund sieht und durchdreht. Wenn Sie ihn dann korrigieren und er motzt, darf Sie das nicht in der Konsequenz abhalten durchzusetzen, was Sie möchten.

Machen Sie bitte, bevor Sie das nächste mal ein Café besuchen, vorab mit Ihrem Hund einen aus- gedehnten Spaziergang, bei dem Sie bestimmen, wo es langgeht, in welche Richtung und in welchem Tempo gegangen wird. So ist ihr Hund schon einmal ausgelastet, wenn Sie im Café ankommen. Wenn Sie dort sind, beobachten Sie ihn. Es ist wichtig, dass Sie ihn im richtigen Moment korrigieren, nämlich bevor er die Möglichkeit einer eigenen Reaktion hat. Genauso halten Sie es bitte auch mit dem Jagdtrieb. Auch dabei müssen Sie vor dem Hund reagieren und ihn korrigieren, bevor er auf die Idee kommt los zujagen.

Viel Erfolg, José Arce

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Länger spazieren gehen!

Lieber Herr Arce,

ich habe eine sechs Monate alte Labrador-Hündin. Sie ist generell sehr folgsam und lieb. Aber es gibt eine Sache, die ich ihr nicht abgewöhnen kann: Sobald ich mit ihr nach unserem etwa 20-minütigen Spaziergang zu Hause ankomme, beißt sie in die Leine und beginnt zu knurren und mich zu beißen. Egal, ob ich Nein sage oder ihr mit zwei Fingern gegen die Brust klopfe, es hilft nicht. Im Gegenteil, sie wird noch wilder und springt mich sogar an.

Wenn wir bereits im Haus sind, sperre ich sie für zwei bis drei Minuten in ein Zimmer, und dann kommt sie lammfromm wieder heraus. Außerhalb des Hauses kann ich das natürlich nicht so machen und habe dann die größten Probleme, sie wieder zu beruhigen.

Habe auch schon versucht, sie auf den Rücken zu drehen und ruhig zu warten. Mal klappt es, mal beißt sie mir in die Waden. Warum macht sie das? Freundliche Grüße,

Amanda



Liebe Amanda,

Ihr Hund bekommt nicht den ausreichenden Spaziergang, und dieser ist zudem nicht richtig strukturiert. Viele Hundebesitzer sind verunsichert, was die Dauer und Wichtigkeit des Gassigehens angeht.

Mir werden oft Probleme geschildert, bei denen die Ursache in einem falsch gehandhabten Spaziergang liegt. Dabei ist der so wichtig für unseren Hund, und nicht nur dazu da, dass der Hund sein Geschäft erledigt. Ich möchte noch einmal beschreiben, was einen guten Hundespaziergang ausmacht. Wenn Sie ein paar Dinge berücksichtigen, kommen Sie sicher nicht mit einem Hund nach Hause, der unausgelastet ist und seinen Frust an Ihnen auslässt.

Egal ob großer oder kleiner Hund, egal um welche Rasse es sich handelt: ein 20-minütiger Spaziergang ist einfach viel zu wenig für einen gesunden Hund. Der Spaziergang ersetzt die Aufgabe, die ein Hund ursprünglich einmal hatte. Heutzutage sind die meisten Hunde eben nur noch unsere Begleiter. Für diese Hunde ist der Spaziergang dann der Ersatz für diese Aufgabe. Darum kommt es dabei auch nicht vorrangig auf Freiheit an, sondern eher auf Führung und ein gutes Team, das sich durch die Stadt oder durch die Natur bewegt. Diese Führung des Hundehalters fordert den Hund, denn er leistet dabei Kopfarbeit. Wichtig ist, dass der Spaziergang während ungefähr 80 Prozent der Zeit von Ihnen geführt wird. Die restliche Zeit darf Ihr Vierbeiner auch schnüffeln und seine Bedürfnisse erledigen. Wenn Sie Ihren Spaziergang so strukturieren, werden Sie sofort ein positives Ergebnis erreichen. Ihr Hund kommt dann ausgeglichen zu Hause an, und Sie werden merken, dass er sich auch während des Spaziergangs anders verhält. Gerade ein junger Hund lernt schnell, wenn er von seiner Bezugsperson geführt wird, dass sein menschlicher Begleiter die Verantwortung hat und er sich an seiner Seite sicher fühlen kann.

Mit freundlichen Grüßen, José Arce

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Schwanzwedeln heißt nicht immer Freude

 

Lieber José Arce,

ich habe eine Frage zu unserem Hund Toby.

Toby ist ein absolut lieber

Charakter, freut sich über jeden anderen Vierbeiner, den er sieht. Allerdings möchte er auch immer gleich hin und spielen. Nicht jeder Hundebesitzer will aber, dass sein Hund mit anderen Hunden Kontakt aufnimmt, geschweige denn spielt. Meist sind diese Hunde auch an der Leine.

Und genau da liegt unser Problem. Sobald das andere Herrchen seinen Hund an der Leine hat und wegzieht, bellt Toby los stellt manchmal sogar die Haare auf und knurrt.

Es ist aber nicht so, dass er dabei die Zähne fletscht oder wirklich aggressiv wird. Wir haben immer das Gefühl, dass er sauer ist, dass der andere Hund weggezogen wird.

Allerdings haben wir ein ähnliches Problem, wenn Toby an der Leine ist. Auch dann meint er, andere anbellen zu müssen. Meistens wedelt er dabei auch mit dem Schwanz. Aber Aus oder Nein interessiert ihn in diesem Moment nicht. Läuft er ohne Leine, passiert das nie. Ohne Leine können wir ihn eigentlich auch problemlos zurückrufen, wenn wir nicht möchten, dass er zu seinen Kollegen hinläuft. Haben Sie eine Lösung für uns? Wir danken schon jetzt für Ihre Antwort.

Liebe Grüße, Tatjana


Liebe Tatjana,

danke für Ihre Frage. Sie denken hier, dass andere Hundebesitzer ein Problem mit Toby haben, obwohl Toby doch so ein netter Hund ist. Ich glaube aber, dass wir alle den nötigen Respekt im Umgang mit unseren und auch fremden Hunden haben sollten. Oftmals hat es einen Grund, warum der andere Hundebesitzer keinen Kontakt haben möchte!

Dazu kommt, dass Sie Ihren Hund nicht gerade als besonders ausgeglichen beschreiben. Der wedelnde Schwanz bedeutet nicht gleich Freude oder Ich will spielen ! Die Körpersprache des Hundes wird oft falsch eingeschätzt. Toby checkt die Lage und zeigt, wer der Chef im Gelände ist. Wenn Toby in dieser Situation an der Leine ist, verhält er sich nicht so, wie Sie es deuten, nämlich sauer, weil er nicht zu dem Hund darf. Nein, er ist gewillt, auch mit diesem Abstand zu zeigen, dass er die Kontrolle hat und nicht erzogen ist.

Sehen Sie Toby mal mit den Augen eines anderen Menschen, der mit seinem Hund an der Leine in Ruhe spazieren gehen möchte. Dieser Mensch sieht einen Hund auf sich zustürmen, was für einige Menschen und Hunde schon bedrohlich wirkt. Oder einen Hund, der kläfft, knurrt und die Haare hochstellt. So einen Hund möchten Sie doch auch nicht im Park treffen? Also ändern Sie bitte dringend dieses Verhalten von Toby!

Bevor Sie in die Situation geraten, dass Toby kläffend in der Leine hängt, sorgen Sie dafür, dass er sich neben Sie auf den Boden legt. Damit nehmen Sie Toby das Gefühl, die Kontrolle über diese Situation und Begegnung zu haben. Erst wenn Toby sich dann ruhig verhält, kann er aufstehen und Sie setzen den Spaziergang fort. Hunde, die an der Leine geführt werden, sollten Sie ab jetzt nicht mehr als Spielkameraden für Toby sehen und einfach respektieren. Dann kann es auch keine Missverständnisse zwischen den Hundehaltern geben und alle sind glücklich. Viel Erfolg,

Ihr José Arce


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Rocky hält sich für den Herrn im Haus

Lieber José Arce und Team,

ich brauche Eure Hilfe bei einem Problem mit meinem Jack Russell Rocky.

Rocky ist ein kastrierter Rüde, der im September sieben Jahre alt wird. Er ist sehr territorial! Kein anderer Hund darf in die Nähe unseres Autos, geschweige denn in unsere Wohnung oder Garten!

Wenn ich ihn mal mit ins Büro nehme, wo schon zwei Labradore sind, geht er sofort in Angriffsstellung und fletscht richtig böse die Zähne (er ist an der Leine). Wenn wir an den Hunden vorbei sind, drückt er sich in die letzte Ecke vom Büro in einer ganz unterwürfigen ängstlichen Haltung. Er will dann nicht mehr an den Hunden vorbei und hat Angst. Auch die Labradore dürfen sich nicht bewegen, sonst knurrt er aus seiner Ecke.

Wie verhalte ich mich richtig!! Rocky ignorieren und ihn in ein anderes Zimmer sperren? Mit Wasser besprühen? Oder sagen: Es ist halt so, und es kann mich keiner mit Hund besuchen? Bis jetzt haben wir ihn mit der Leine an seinem Platz festgebunden.

Ganz lieben Dank und herzliche Grüße

Manuela und Rocky

Liebe Manuela,

was tun Sie in genau diesen Situationen? Den Hund anleinen, mehr nicht? Genau darum hat Rocky den verantwortlichen Part übernommen. Sie haben sich für ihn schwach verhalten. Ein Hund darf nicht entscheiden, wer sich uns nähern darf oder zu uns zu Besuch kommt. Damit ist er überfordert, und das zeigt Rocky, wenn er verängstigt in der Ecke kauert!

Ich weiß, es ist schwer zu verstehen, aber viele Menschen haben ein Bild von ihrem Hund im Kopf, das nicht zutrifft. Ein Hund muss nicht alles beschützen! Die Frage ist, wie weit sein Territorium reicht, wo es anfängt und wo es aufhört. Wie soll ein Hund das verstehen, wenn wir ihm das nicht zeigen?

In Ihrem Fall müssten Sie sich zudem fragen, wie ist denn meine Beziehung zu meinem Hund? Für mich ist das schon klar: Ihr Hund übernimmt die Verantwortung für Sie! Er verhält sich nicht nur territorial, sondern dominant.

Es ist noch nicht zu spät, ihm das wieder abzugewöhnen. Beginnen Sie mit Rocky

noch einmal von vorne. Wie mit einem Welpen zeigen Sie ihm ab jetzt, dass Sie bestimmen, wer oder was wo und wann in Ihrer Nähe sein darf.

Sie wünschen sich ein anderes Leben mit Rocky? Dann übernehmen Sie die Verantwortung. Stellen Sie sich vor, dass Rocky noch ein Welpe ist, und zeigen Sie ihm alles noch einmal neu. Fangen Sie bitte mit seinem Platz zu Hause an. Zeigen Sie ihm, dass zu Hause nicht sein Territorium, sondern das Ihre ist. Jedes Mal, wenn Rocky sich zu Hause territorial verhält, schicken Sie ihn bitte sofort auf seinen Platz, Sie müssen es dann auch schaffen, dass er dort bleibt.

Wenn das gut und sicher klappt, laden Sie Freunde mit Hund ein und üben gemeinsam, dass Rocky auf seinem Platz bleibt. Im Garten machen Sie es bitte genauso, Rocky bekommt dort seinen festen Platz, auf den Sie ihn schicken, wenn er sich so benimmt. Erst wenn er auch im Garten verstanden hat, dass Sie dort die Verantwortung und das Kommando haben, üben Sie mit anderen Hunden.

Zugleich rate ich Ihnen, sich professionelle Hilfe hinzuzuholen, da Rocky schon aggressives Verhalten gezeigt hat.

Mit besten Grüßen Ihr José Arce

Fragen an José Arce & Team per E-Mail an: hunderatgeber.mz@epi.es 

Der 13-Minuten-Spaziergang

Hallo Herr Arce,

ich habe eine 13 Wochen alte Magyar-Vizsla-Hündin.

Ich praktiziere die in Ihrem Buch erwähnten disziplinierten Spaziergänge von Anfang an. Auf dem Hinweg geht meine Hündin wunderbar mit. Nach einer Weile lasse ich sie an der Fünf- Meter-Leine laufen und setze mich hin. Sie tobt dann wie verrückt oder frisst alles, was ihr vors Maul kommt (Sand, Steine, Gras usw.). Auf dem Rückweg funktioniert das mit der Disziplin dann überhaupt nicht mehr. Auf Anstupsen reagiert sie nicht und beim Stehenbleiben lässt sie sich von allem ablenken. Ich warte dann, bis sie Blickkontakt zu mir aufnimmt und gehe erst dann weiter. Zwei Schritte geht es, aber dann zieht sie los, als wäre der Teufel hinter ihr her. Ich bleibe immer wieder stehen, aber es ändert sich nichts. Ich habe meine Bedenken, sie hinterher zu füttern, denn so belohne ich sie ja praktisch für das Ziehen, oder nicht? Auch, was die Dauer des Spaziergangs angeht, bin ich mir unsicher. Es heißt, so alt, wie der Hund ist, so lange sollte auch der Spaziergang dauern. In unserem Fall würde das also bedeuten: 13 Wochen = 13 Minuten.

In dieser kurzen Zeit hat sich meine Hündin aber noch gar nicht ausgepowert.

Im Haus läuft es gut. Hier ist sie unterwürfig, sitzt beim Fressen, hält beim Anleinen den Blickkontakt zu mir, und ich gehe zuerst durch die Tür.

Was empfehlen Sie mir, damit der Spaziergang besser funktioniert? Herzliche Grüße,

Monika Boll vom Chiemsee


Hallo Frau Boll,

mir scheint, dass Sie draußen sehr unsicher sind. So, wie Sie den disziplinierten Spaziergang beschreiben, habe ich ihn nicht erklärt, und ich denke, so kann er auch nicht funktionieren. Auch von der Faustregel Hundealter = Dauer des Spaziergangs halte ich nichts. Ich vermute, dass es einige Tierärzte so empfehlen, weil es Menschen gibt, die ihrem Junghund zu viel zumuten. Letztendlich sollte jeder Hundebesitzer aber an seinem eigenen Vierbeiner erkennen, wie viel Energie in ihm steckt. Es ist im Grunde wie bei einem Kind: Jede Mutter vertraut ihrer Erfahrung und ihrem Bauchgefühl.

Nun kenne ich Ihren Hund nicht, aber es gibt ein paar Tipps, mit denen Sie nichts falsch

machen können. Ein 13 Wochen alter Welpe ist üblicherweise sehr aktiv und neugierig. Sie müssen ihm die Welt zeigen und ihn mit allem vertraut machen. Wenn es ihrem Hund jetzt an Erziehung und Auslauf mangelt, bekommen Sie später viele Probleme mit ihm.

Gehen Sie mit ihrem Schützling drei Mal täglich spazieren. Morgens, wenn er sich ausgeschlafen hat, nehmen sie ihn an die Leine und entscheiden, ob Sie möchten, dass er rechts oder links neben Ihnen läuft. Als wenn Sie ein kleines Kind an der Hand halten würden, damit im Verkehr nichts passiert. Laufen Sie ruhig aber bestimmt. Achten Sie darauf, dass Sie die Richtung bestimmen und lassen Sie sich nicht irritieren, wenn er an der Leine zieht. Bei einem jungen Hund wird es nicht lange dauern, bis er versteht, dass es seine Aufgabe ist, Ihnen zu folgen, und er dann friedlich neben ihnen hertrottelt. Wenn Sie merken, dass Ihr Hund müde ist und nicht mehr zieht, gönnen Sie ihm eine Pause an einem sicheren Ort. Wenn er dann anfängt, nervös zu werden oder Sachen vom Boden zu fressen, dann beenden Sie die Pause. Laufen Sie zurück nach Hause, spielen Sie ein wenig mit ihm und dann erst füttern Sie ihn. Anschließend geben Sie Ihrem Welpen die Ruhe, die er braucht.

Lieben Gruß, José Arce


Fragen an José Arce & Team per E-Mail an: hunderatgeber.mz@epi.es 

Meine Hündin ist permanent angespannt

Hallo Herr Arce, wir haben eine 14 Monate junge Hündin, die wir im Alter von vier Monaten adoptiert haben. Sie wurde, als sie wenige Wochen alt war, mutterseelenallein und in einem erbärmlichen Zustand gefunden, hat also wenig Sozialverhalten gelernt.

Sie ist sehr nervös, bekommt alles an Außenreizen mit und prüft permanent ihre Umwelt mit der Nase ab. Sie zieht an der Leine, bleibt aber oft abrupt stehen, um zu schnüffeln. Sieht sie einen Artgenossen, duckt sie sich, fixiert und prescht dann nach vorne, ohne dabei aggressiv zu sein. Den anderen Hunden ist sie zu aufdringlich, und sie warnen dann durch Knurren und Zähnefletschen. Die Leinenführung klappt oft am Anfang, dann dreht sie aber irgendwann durch, läuft im Kreis, beißt in die Leine, knurrt und ist nicht mehr ansprechbar.

Auch im Haus ist sie aufgedreht. Sie springt überall drauf, Besuch wird angesprungen und bedrängt.

Ich kann sie mit ins Büro nehmen. Dort gehen aber ständig Leute ein und aus. Sie springt dann die Leute an, sodass ich sie nun zu Hause lasse, was mir sehr leid tut.

Ich möchte ihr und uns das Leben angenehmer und leichter machen und hoffe, Sie können mir einige hilfreiche Tipps geben.

Vielen Dank im Voraus, Nicolette Peter



Liebe Frau Peter,

Ihre Hündin hat gelernt, für sich selbst zu sorgen und versteht noch nicht, dass sie nun nicht mehr die Verantwortung für ihr Überleben tragen muss. In diesem Zustand geht es ihr wirklich nicht gut! Sie hat Sie als Menschen noch nicht als Partner und verantwortlichen Beschützer verstanden. Aus diesem Grund siegen bei ihr noch die Instinkte. Was Sie nun schaffen müssen, ist, dass Ihre Hündin lernt, dass Sie für das Fressen sorgen und auch dafür zuständig sind, ihr Ruhe zu geben.

Ihre Hündin arbeitet viel mit der Nase und so, wie Sie sie beschreiben, ist sie immer interessiert, zu jagen. Nutzen Sie das beim Spaziergang, indem Sie sich für den Hund interessant machen. Stecken Sie sich ruhig etwas Leckeres

in die Tasche, und sobald Sie bemerken, dass der Hund von etwas anderem abgelenkt wird, geben Sie ihm ein Stück.

Zu Hause oder auch auf Ihrer Arbeitsstelle muss Ihr Vierbeiner verstehen, dass der Hundeplatz ein sicherer und ruhiger Ort ist, an dem er nicht gestört wird, aber den er auch nicht ohne Ihr Kommando verlassen darf. Stellen Sie erst einmal zu Hause fest, wo sich Ihre Hündin am sichersten fühlt, ist es eine Decke, ein Kissen oder vielleicht eine Höhle (Box)? Wenn Sie das herausgefunden haben, trainieren Sie erst einmal zu Hause, bis sie gelernt und verstanden hat, dass, egal was passiert oder wer kommt, sie auf dem Platz zu bleiben hat, bis Sie ein Kommando geben. Kommt Besuch, warten Sie einen Moment, bevor Sie das Kommando geben. Dann erst darf sie kommen und den Besuch beschnüffeln, und dann beenden Sie aber auch schnell wieder diese Freiheit und schicken sie zurück auf ihren Platz. Wichtig ist ab jetzt, dass Ihre Hündin lernt, dass Sie es sind, die jegliche Situationen steuert. Dann schaffen Sie es auch bald, ihr Ruhe zu schenken und können sie auch wieder mit ins Büro nehmen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, José Arce

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Ständiges Gebell beim Spaziergang im Rudel

 

Hallo José Arce und Team,

wir haben fünf Collies im Alter von eineinhalb bis sieben Jahren.

Der Spaziergang mit allen zusammen funktioniert eigentlich ganz gut. Es gibt jedoch eine Sache, die ich gerne etwas besser im Griff hätte: In verschiedenen Situationen fangen alle fünf an zu bellen. Das passiert vor allem in folgenden Situationen:

•• Alle fünf Hunde laufen frei. Ein anderer Hundehalter, ein Fahrradfahrer oder ein Fußgänger kommt: Alle Hunde bellen! •

• Alle fünf Hunde laufen frei, und ich muss sie anleinen. Dabei bellen alle und es dauert einige Zeit, bis sie sich wieder beruhigen. Das machen sie sicherlich aus Protest, weil sie es nicht einsehen, angeleint zu werden.

•• Alle fünf Hunde sind angeleint. Fußgänger bleiben stehen und wollen mit mir reden. Dies ist nicht möglich, da alle anfangen zu bellen.

•• Die ganze Rasselbande sitzt im Auto, und es geht zum Gassi gehen oder zu Freunden: Alle Hunde bellen! Schon bevor ich parke, geht das Gebell im Auto los. Hier habe ich nun die Lösung gefunden, dass ich diejenigen, die bellen, mit einem Wasserstrahl aus einer Wasserspritze ansprühe. Somit bekomme ich sie gezielt relativ schnell ruhig gestellt.

Vielleicht haben Sie ja einen Rat oder können mir einen prak- tischen Tipp geben. Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen.

Schöne Grüße,

Bine


Liebe Bine,

bitte seien Sie mir nicht böse, ich möchte Ihnen wirklich gerne

helfen. Sie müssen unbedingt Ihre Perspektive ändern. Ich glaube, dass Sie zu Hause keine Probleme mit Ihrem Rudel und alles im Griff haben. Sobald Sie aber mit den Hunden draußen sind, haben Sie die Kontrolle über sie verloren.

Ein Grund ist, dass sie nicht wirklich den Unterschied zwischen Freilauf und an der Leine laufen verstehen. Wenn man mit seinen Hunden spazieren geht, egal, ob mit oder ohne Leine, geht der Mensch entweder mit seinen Hunden, oder die Hunde gehen mit dem Menschen. In beiden Fällen ist das bei Ihnen aber kein Unter- schied, da Sie Ihre Hunde nicht führen. Sie haben nicht die

Verantwortung über den Spaziergang. Im Gegenteil, Sie glauben, wenn Sie Ihre Hunde anleinen, bellen sie aus Protest. Für mich ist das ein klares Zeichen, dass die Leine für sie etwas Negatives bedeutet. Diese Einstellung sollten Sie ändern. Stellen Sie sich bitte diese Fragen:

Was bedeutet für Sie Freiheit? Wie viel Freiheit möchten Sie Ihren Hunden geben? Was ist Ihre Verantwortung beim Spaziergang? Welche Verantwortung müssen Ihre Hunde beim Spaziergang übernehmen? Wenn Sie sich diese Fragen beantworten, erkennen Sie schnell, dass Ihre Vierbeiner mit der Freiheit, die Sie ihnen geben, überfordert sind. Das ist dann keine Freiheit, sondern Stress für die Hunde. Liebe Tine, ich möchte Ihnen gerne sagen, was Freiheit aus Sicht der Hunde ist. Sicher nicht, wenn sie die Verantwortung für uns Menschen übernehmen. Solange Sie das nicht verstehen, können Sie den Hunden diese Ruhe nicht schenken!

Machen Sie bitte ab jetzt einen strukturierten Spaziergang. Mit oder ohne Leine. Ein Spaziergang, wo die Hunde neben oder hinter Ihnen laufen. Wo Sie bestimmen, wann und wo geschnüffelt wird.

Können Sie das? Wenn nicht, ist dieses Ziel Ihre erste Aufgabe. Sollte dann bei diesem Spaziergang ein Hund bellen, müssen Sie es schaffen, dass er sich hinsetzt und dann hinlegt. Ihre zweite

Aufgabe ist es, dies mit allen Hunden zu schaffen. So werden Sie schnell die gewünschte Ruhe in Ihr Rudel bringen und so gemeinsam den Spaziergang genießen. Freiheit ist für unseren Hund, wenn wir die Verantwortung übernehmen und er sich an unserer Seite entspannen kann! Liebe Grüße, José Arce


Fragen an José Arce & Team

per E-Mail an: hunderatgeber. mz@epi.es,

Wie werde ich das Wichtigste für meinen Hund?

Hallo Herr Arce, vor ungefähr einem Jahr habe ich einen anderthalb Jahre alten Parson Russel Terrier übernommen. Befehle wie „„Sitz““ oder „„Platz““ sagten ihm nichts; auch stubenrein war er nicht. Auf Anhieb gut verstanden hat er sich mit meinem zehn Jahre alten Terrier; mit meinen zwei Katzen klappte es nach drei Monaten (mittlerweile schläft er eng aneinander gekuschelt mit ihnen).

Nun zu meinem Problem: Da mein Parson Russel mich komplett ignoriert, wenn er an einer acht Meter langen Schleppleine läuft (er beißt vor allem Welpen und jüngere Hunde, die uns begegnen), halte ich nun beide Hunde nur noch an einer kurzen Leine und bei Fuß. Ableinen kann ich ihn gar nicht mehr während des Spaziergangs, denn er beginnt sofort, alles zu jagen, was sich bewegt.

Andererseits macht er sehr gerne Fährtenarbeit, was aber leider schwer in den alltäglichen Spaziergang einzubauen ist. Auch auf die Reizangel springt er gut an, und wir trainieren hiermit die Impulskontrolle, was auch immer besser funktioniert. Aber auch die Reizangel ist für einen Spaziergang ungeeignet.

Ich würde so gerne mit beiden Hunden ohne Leine wieder entspannt spazieren gehen können. Wie bekomme ich eine sichere Ausstrahlung, die meinen Vierbeinern zeigt, dass es sich lohnt, in jeder Situation bei mir zu bleiben?

Gruß, Arnica Hentrich



Hallo Frau Hentrich,

Sie können stolz sein auf alles, was Sie schon geschafft haben. Bedenken Sie aber, dass diese Erfolge durch Konditionierung erreicht wurden. Was Ihre beiden Katzen schon durchgesetzt haben, steht Ihnen noch bevor. Die Tiere haben untereinander die Positionen längst geklärt. Das heißt: Solange ein Hund die Katze nicht als Ranghöhere akzeptiert, bleibt ein friedliches Zusammenleben der beiden Arten unmöglich.

Nun geht es darum, eine andere Verbindung aufzubauen, nämlich die zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Was Sie bereits richtig erkannt haben: Eine Schleppleine ist dafür nicht geeignet.

Denn die Problematik bei Ihrem Hund ist, dass er, sobald er mit Ihnen draußen ist, sofort wieder die Verantwortung übernimmt. Er möchte entscheiden, wann gejagt wird, und wer in Ihre Nähe darf. Genau das gilt es zu ändern. Für Ihren Hund müssen Sie das Interessanteste und Wichtigste beim Spaziergang werden. Versuchen Sie einmal, den Spaziergang mit viel Ruhe zu ver- binden. Keine Spiele mehr, die den Hund nur „„hoch- powern““. Im Gegenteil: Erkunden Sie lieber gemeinsam unbekanntes Terrain. Ihre Hunde werden sich in ungewohnter Umgebung mehr auf Sie konzentrieren, und Sie haben die Möglichkeit, ihnen die nötige Sicherheit zu geben. Wichtig ist auch, dass Sie diese Ruhe auch bei Begegnungen mit fremden Hunden ausstrahlen. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Vierbeiner sich zunächst hinsetzen und dann hinlegen, bevor ein Hund in Ihre Nähe darf.

Achten Sie darauf, dass Ihre Hunde in dieser Position bleiben. Wenn sie ruhig bleiben, ziehen Sie es zeitlich nicht zu lange hin. Führen Sie sie schon nach wenigen Minuten wieder aus der Situation heraus und setzen Sie den Spaziergang fort. All diese Jagdspiele, die Sie mit Ihren Hunden machen, sollten Sie einfach weglassen.

Denken Sie sich lieber Spiele aus, in denen die Hunde sich auf Sie konzentrieren müssen. So lernen die beiden, was für sie wichtig ist, nämlich Sie! Dann kommt auch die Verbindung, und mit etwas Geduld können Sie dann auch den Spaziergängen wieder entspannter entgegensehen.

Mit lieben Grüßen, José Arce


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hunderatgeber. mz@epi.es

 

 

Unsicheres Verhalten im Rudel

Liebes José-Arce-Team,

in unserem Rudel besteht folgendes Problem: Wir haben vier Podencos im Alter von vier, sechs, acht und zwölf Jahren. Die vierjährige Podenca-Hündin Alma kam am 25.10.2014 aus Spanien zu uns. Sie war traumatisiert und sehr, sehr ängstlich. Sie vertraut mir bedingt; ich kann eigentlich auch alles mit ihr machen: Krallen schneiden, Zecken entfernen etc. Gelegentlich kommt sie auch zum Schmusen und Kuscheln.

Nun zum Problem: Sobald wir das Haus zur „„Hunde- Runde““ verlassen, beginnt das Theater: Sie jault, bellt, macht Töne, die man kaum beschreiben kann. Eigentlich ohne Grund, denn meistens ist nichts und niemand zu sehen. Sollten wir dann aber auf Menschen mit oder ohne Hund treffen, geht es richtig los. Gebell ohne Ende. Dinge, die sie nicht kannte, wie etwa Kinderwagen oder Skateboardfahrer waren und sind immer noch ein Horror für sie. 

Ich nehme an, es ist Unsicherheit und Angst.

Allerdings haben wir auch festgestellt, dass sie viel friedlicher und entspannter ist, wenn einer von uns mit ihr alleine rausgeht.

Liebe Grüße aus Herford, Diana-Milly König

 

Hallo Frau Milly-König,
Sie beschreiben hier einen besonders schweren Fall. Um Alma zu helfen, benötigen Sie unbedingt professionelle Hilfe.

Es kann viele Gründe für Almas Verhalten geben. Zum einen kann es sein, dass sie sich in ihrem Rudel noch nicht sicher fühlt. Das kann passieren, wenn schon im bestehenden Rudel Hunde sind, die Unsicherheit ausstrahlen.

Sie beschreiben Alma ja auch als eine Hündin, die, wenn sie nicht im Rudel läuft, viel weniger Probleme hat. Das bedeutet nun aber auf keinen Fall, dass Sie ab jetzt mit ihr alleine spazieren gehen sollten. Im Gegenteil! Es ist besonders wichtig, ab jetzt weiter im Rudel spazieren zu gehen. Vergessen Sie bitte Ihr eigenes schlechtes Gefühl in den Momenten, in denen Alma so durchdreht. Genau dann braucht Alma das Gefühl, dass Sie bei ihr sind. Alma möchte in so einem Moment nur flüchten! Genau in diesem Moment müssen Sie aber dem Hund das Gefühl von Sicherheit und 

Vertrauen geben. Sie würde sofort spüren, wenn Sie in Wirklichkeit unsicher sind.

Lassen Sie nicht zu, dass Alma zu flüchten versucht, und nehmen Sie den Hund dann möglichst nah an Ihre Seite. Es erfordert wirklich viel Geduld von Ihnen und Ihrer Familie, ihr langsam und in kleinen Schritten zu zeigen, dass ihr genau in diesen Situationen, in denen sie so große Angst hat, nichts passieren kann. Denn sie ist an Ihrer Seite und lernt bei jedem Mal: Hier bin ich sicher, und es passiert doch nichts.

Also weichen Sie bitte diesen Situationen nicht aus! Damit meine ich, dass auch zunächst ungewohntes wie Kinderwagen oder Skateboardfahrer in ein normales Leben gehört. 

Alma muss, um in unserer Menschenwelt glücklich zu sein, lernen, dass solche Begegnungen völlig normal und nicht bedrohlich sind.
Mit lieben Grüßen,

José Arce

 

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Welpe ist nicht gleich Welpe

 


Lieber Herr Arce, in einigen Monaten werden wir einen Eurasier-Welpen bekommen –– unseren ersten Hund. Wir hätten da mal eine Frage: Macht man mit einem Welpen auch von Anfang an diese disziplinierten Spaziergänge, die Sie immer empfehlen?

Und wenn ja, dann vielleicht eher im „„Mini-Format““?

Wie etwa sechs Minuten an der Leine, zwei Minuten frei laufend und dann wieder zurück?

Herzlichen Gruß, Sibylle


Hallo Sybille,

ich hoffe, nun ist es bald so weit und Ihr neues Familienmitglied zieht bei Ihnen zu Hause ein. Es ist immer wieder schön zu lesen, dass sich die Menschen schon rechtzeitig Gedanken machen, wie man sich am besten auf den Welpen vorbereitet.

Es ist eigentlich sehr einfach. Bis zu dem Tag, wo der Welpe zu Ihnen kommt, hat sich seine Mutter um ihn gekümmert. Das heißt, sie hat für ihn gesorgt und ihn erzogen. Nun kommt er in Ihre Familie, und Sie übernehmen diese Aufgabe und die Verantwortung. Es ist ähnlich wie bei einem Kind: Ihr Bauchgefühl wird Sie lenken.

Natürlich braucht der Hund von Anfang an diesen disziplinierten Spaziergang. Eine Zeitangabe kann ich ihnen nicht geben, wobei ich allerdings sicher bin, dass sechs Minuten viel zu wenig sind. Ich kenne Ihren Hund und sein genaues Alter nicht. Bitte beobachten Sie ihren Welpen. Sie werden merken, wenn er müde ist.

Dann beenden Sie den Spaziergang fürs Erste einfach. Jeder Hundewelpe ist eben anders und deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie Ihrem Gefühl trauen und abschätzen können, wann genug gelaufen,

gespielt und getobt wurde. Da braucht ein Welpe das Gefühl von Sicherheit und auch die nötigen Grenzen, um zu verstehen, dass Sie entscheiden, wann der Kleine seine Ruhe braucht, um sich auszuruhen. Ruhe und ausreichend Schlaf sind besonders wichtig für Ihren Hund.

Dann zeigen Sie Ihrem Hund Stück für Stück seine neue Heimat und die Welt rundherum, einfach alles, was in unserer Menschenwelt ungewohnt und bedrohlich auf den Welpen wirkt: Autos, Geschäfte, lärmende Maschinen. All das müssen Sie Ihrem Welpen gleich zu Beginn in kleinen Schritten vorstellen. So wird Ihr Vierbeiner lernen, dass ihm an Ihrer Seite nichts passieren kann. So sorgen Sie schon von Anfang an dafür, dass aus ihm ein sicherer Hund wird, mit dem Sie unseren Menschenalltag in jeder Situation genießen können.

Mit freundlichen Grüßen, José Arce

 

In freiem Gelände hört sie nicht auf mich

Hallo José Arce und Team!

Es geht um die Erziehung meiner Hündin (einer Mischung aus Shepard und Malteser). Wir haben sie im August 2014 in Rumänien von der Straße aufge- sammelt und aufgenommen.

Problem 1: Sie liebt es, nach Mäusen zu buddeln und hört dann auch nicht mehr, wenn man sie ruft.

Problem 2: Sie will alles jagen, was ihr vor die Schnauze kommt (sie nimmt Fährten auf, die Beute muss nicht mal vor ihren Augen sein).

Ich habe von Schleppleine auf Flexileine umgestellt, weil es trotz aller Bemühungen im Freien nicht möglich ist, sie abzulenken und herbeizurufen. Wir besuchen eine Hundeschule, sie hat Vertrauen zu Menschen gewonnen. Nun sind wir dabei, auf dem Hundeplatz Gehorsam zu trainieren. Sie ist sehr gut darin, auch das Ablegen und Abrufen klappt –– aber leider nur auf dem Platz. Wenn man ihr im freien Gelände die Leine abmacht, rennt sie erst einmal wie eine Verrückte herum, und sucht sich dann ein Mäuseloch. Zum Glück! Denn nur, wenn ich sie am Mäuseloch abhole, kann ich sie wieder an die Leine nehmen. Ich bin wirklich über- fragt. Ich glaube, dass diese

Hundeschule nicht das Richtige ist, oder dass die Ansätze nicht wirklich funktionieren. Was soll man machen mit einem ehemaligen Streuner, der seine eigenen Wege geht, wenn er nicht an der Leine ist?

Herzlich,

Cornelia Bayerl


Liebe Frau Bayerl,

wie Sie schon sagen: Sie haben sich einen ehemaligen Streuner ins Haus geholt. Nun gilt es, das Tier zuerst einmal zu verstehen. Ihre Hündin musste um ihr Überleben kämpfen. Sie hat gelernt, sich auf ihre Instinkte zu verlassen. Nun ist sie in menschlicher Obhut und braucht Unterstützung, um zu verstehen, dass sie nicht mehr die Verantwortung trägt, um zu über- leben. Denn nun hat sie Sie: einen Menschen, der für sie sorgt.

Dieser Weg verlangt Geduld und viel Empathie. Die Freiheit, die Sie Ihrer Hündin im freien Gelände schenken wollen, versteht sie noch nicht.

Da siegen noch die Instinkte. Sie hat noch nicht verstanden, dass Sie für sie sorgen. Es ist schon ein toller Erfolg, dass sie die wichtigsten Regeln in der Hundeschule gelernt hat. Jetzt muss sie noch verstehen, dass Sie ihre Bezugsperson sind.

Aber dieses Vertrauen erlangen Sie nicht im freien Gelände!

Eine Schleppleine sagt doch schon alles: Sie wird „„hinterhergeschleppt““. Sie kann nicht die Hundeleine ersetzen, die eine direkte Verbindung zwischen Mensch und Hund ist. Mit der Schleppleine machen Sie den zweiten Schritt vor dem ersten. Sie müssen ihrer Hündin die Menschenwelt zeigen, sie ruhig und sicher durch die Stadt führen. So versteht sie, dass sie an Ihrer Seite sicher ist und sich an Ihnen orientieren muss, so entsteht die Bindung, die Sie sich wünschen. Selbstverständlich können Sie mit dem Hund ins Gelände, aber der hauptsächliche tägliche Spaziergang sollte in der Stadt stattfinden.

Mit lieben Grüßen, José Arce

Fragen an José Arce & Team per E-Mail an hunderatgeber.mz@epi. es Internet: www.jose-arce.com. 

Dominant und unsicher zugleich

Lieber José Arce, liebes Team, ich habe folgendes Problem:

Seit knapp zwei Jahren habe ich eine Hündin aus Kroatien. Sie heißt Emma.

Sie ist sehr unsicher, aber ich glaube, wir haben schon viel erreicht. Nun hat sich mein Freund auch einen Hund angeschafft, einen 11 Monate alten Rüden aus Rumänien.

Wir leben nicht zusammen, sondern verbringen nur die Wochenenden gemeinsam, mal bei ihm, mal bei mir.

Zur Zeit der ersten Kontaktaufnahme war meine Hündin läufig und hat den Rüden ständig animiert, sie zu besteigen. Er ist kastriert, hatte aber trotzdem großes Interesse an ihr.

Nun ist die Läufigkeit vorbei, und wenn er jetzt an ihr schnüffeln will, bekommt er eine energische Ansage. Auch sonst ist sie sehr dominant ihm gegenüber.

Wenn er sich uns nähert, um zu schmusen, geht sie sofort dazwischen und drängt ihn weg. Man könnte meinen, sie kontrolliert ihn. Sie bestimmt, wo es lang geht.

Auch die Spiele draußen sind geprägt von ihrer Dominanz: Sie darf alles, er nichts. Dadurch, dass er in einem großen Rudel gelebt hat, ist er sehr souverän; sie hingegen

ist Einzelhund und kommt mit dem neuen Gefährten noch nicht so zurecht. Nun müs- sen die zwei ja jedes Mal aufs Neue ihre Rangordnung festlegen. Was mich jedoch sehr irritiert, ist, dass meine Hündin dem Rüden permanent das Maul leckt. Ich lese überall, dass es sich dabei um eine Demutsgeste handelt. Aber das passt nicht zu ihrem ansonsten dominanten Verhalten.

Wie deuten Sie das ständige Maulschlecken?

Ein schönes Wochenende,

LG, Silke mit Emma

 

Liebe Silke,

Ihre Hündin ist unsicher, verhält sich dem Rüden gegenüber dominant und entscheidet, wer an Ihre Seite darf. Das erklärt schon alles. Emma braucht einen Menschen, der ihr Sicherheit gibt und Entscheidungen nicht ihr überlässt.

Zeigen Sie ihr, dass Sie entscheiden, wann und mit wem geschmust wird.

Die Kontrolle, die Emma übernimmt, wenn sie auf den Rüden trifft, müssen Sie ihr abnehmen. Genau dass zeigt sie Ihnen, wenn sie dem Rüden das Maul leckt.

In diesem Moment fühlt sie sich wohl und hat ihren Platz gefunden.

Es ist eigentlich sehr einfach: Übernehmen Sie die Verantwortung, wenn die Hunde sich treffen.

Lassen Sie ab jetzt nicht zu, dass ein unsicherer Hund die Verantwortung für die Situation trägt.

Auch im Alltag, wenn die Hunde nicht zusammen sind, sollten Sie Emma das Gefühl von Sicherheit geben, indem Sie jede Situation steuern. Sie werden schnell beobachten, dass sie sich dann wohler fühlt.

Mit lieben Grüßen, José Arce

Fragen an José Arce & Team an:

hunderatgeber.mz@epi.es, Telefon: 971-52 06 03

 

 

Ein unsicherer Hund beißt oder läuft weg

Hallo Herr Arce,
im Tierheim, in dem ich arbeite, haben wir drei Hunde aus Rumänien, die mir sehr am Herz liegen. Sie sind in einem Zwin- ger zusammen und kommen gut miteinander aus. Alle drei sind ängstlich. Milo (der „Boss“ im Zwinger) und Larry kenne ich schon länger. Kelly, die Hündin, ist erst seit circa einem Jahr im Tierheim. Die beiden Rüden nehme ich gemeinsam zum Spaziergang mit, und sie laufen auch frei, da es mit dem Vertrauen schon sehr gut klappt.
Leider ist Kelly immer sehr traurig, wenn ich sie nicht mitnehme. Aber sie hat noch nicht so viel Vertrauen zu mir wie die anderen beiden. Sie freut sich immer, wenn ich komme und wenn ich die Leinen hole. Ich würde sie gerne mitnehmen, damit sie endlich mal raus kommt aus dem Zwinger. Das Problem ist, dass sie sehr ängstlich ist. Ich kann sie nicht streicheln (dann haut sie ab).
So kann ich ihr auch kein Halsband anlegen. Ich kann nicht einschätzen, ob sie mich beißen würde, wenn ich ihr zu nahe komme.
Meine Frage an Sie: Wie sollte ich vorgehen, ohne Kelly Stress zu bereiten, und wie geht es dann weiter?
Vielen Dank im Voraus, Ria

 

Liebe Ria,
ich finde es immer wieder klasse, wenn Menschen Hunden helfen, die in ihrer Heimat keine Chance mehr bekommen hätten. Wer so einen „Straßenhund“ aufnimmt, hat oft genau die Probleme, die Sie hier beschreiben. Oftmals sind die Vierbeiner schlecht behandelt worden und haben nicht die besten Erfahrungen mit Menschen gemacht.
Man braucht besonders viel Geduld für diese Tiere, um ihnen zu zeigen, dass sie an unserer Seite Sicherheit und Liebe bekommen. Da machen Sie in Ihrem Tierheim einen tollen Job!
Sie beschreiben alle drei Hunde als ängstlich. Für diese Tiere ist es sehr wichtig, eine Bezugsperson zu haben, die in kleinen Schritten ihr Vertrauen gewinnt.
Das ist Ihnen bei den beiden Rüden ja bereits gelungen.
Wichtig zu beachten ist allem voran: Ein unsicherer und ängst- licher Hund kann, wenn er sich bedrängt fühlt, nur weglaufen oder beißen. Es kann also wirklich gefährlich werden, wenn Sie versuchen, bei Kelly die Leine umzulegen. Die Hündin kann besonders starken Stress bekommen, wenn sie noch nie Erfahrun- gen mit einem Halsband gemacht hat. Bitte holen Sie sich dazu professionelle Hilfe.
Wenn Kelly dann mit professioneller Hilfe an die Leine gewöhnt ist, sollten Sie zuerst einmal mit Kelly alleine Gassi gehen. Sie müssen ihr dann mit viel Geduld und Sicherheit die ihr unbekannte, neue Welt zeigen. So wird sie lernen, dass sie Ihnen vertrauen kann und keine Angst haben muss.
Wenn Sie merken, dass Kelly sich an Ihrer Seite sicher fühlt und Sie draußen keine Probleme mehr mit ihr haben, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie die beiden Jungs dazunehmen können.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer tollen Arbeit,
Ihr José Arce
Fragen an José Arce & Team per E-Mail an hunderatgeber.mz@epi.es

Pinkeln aus Protest

Hallo Herr Arce,
mein Ratero ist mittlerweile sechs Jahre alt. Leider habe ich ein Problem mit ihm. In letzter Zeit hat sich sein Verhalten und Benehmen sehr zum Negativen verändert.
Diese Woche zum Beispiel hat er seine Bedürfnisse einfach in meinem Bett verrichtet. Und heute hat er dann tatsächlich versucht, mir ans Bein zu pinkeln.
Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern (ich habe einen kleinen Jungen und ein sechs Monate altes Baby). Mir ist klar, dass ich weniger Zeit für meinen Hund habe, aber ich habe eine kleine Terrasse, auf die der Hund wann immer er möchte ausweichen kann, um seine Bedürfnisse zu verrichten. Ich versuche natürlich auch, mit ihm nach draußen auf die Straße zu gehen, damit er dort sein Geschäft erledigen kann –– wie es sich von selbst versteht, nicht mehr mit der Zeit, die ich früher dafür hatte. Ich weiß nicht, was ich tun kann, denn ich möchte mich nicht von meinem Hund trennen. Aber so soll es nicht weitergehen, ich halte diese Situation für unerträglich.
Malena

Liebe Malena,
Ihr Leben hat sich mit Ihrem zweiten Kind noch einmal verändert. Es ist verständlich, dass Sie als alleinerziehende Mutter zweier Kinder weniger Zeit für Ihren Hund haben. Dennoch –– Ihr Hund spürt das! Auch sein Leben hat sich total verändert. Ich bin mir aber sicher, dass Sie die Situation in Ihrer kleinen Familie wieder hinbekommen. Mit seinem Verhalten möchte Ihr Hund Ihnen mitteilen, wie unzufrieden er ist.
Geben Sie Ihrem Vierbeiner das Gefühl, ein Teil der Familie zu sein. Versuchen Sie, ihn mehr in den Alltag einzubinden, egal, wo Sie hingehen oder was Sie machen. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, ob Sie mit ihm auf eine Hundewiese gehen oder einen kurzen Spaziergang machen. Er sollte Ihr Begleiter sein, und auch der Ihrer Kinder. Dann hat er eine Aufgabe. Bringen Sie ihm bei, an der kurzen Leine neben dem Kinderwagen zu laufen. Dann bestimmen Sie, wann er von dieser neuen Aufgabe eine Pause bekommt, schnüffeln und seine Bedürfnisse verrichten darf. Aber auch zu Hause muss Ihr Ratero merken, dass Sie sich um ihn kümmern, sprich: Sie bestimmen, wann er toben darf, und wann es für ihn Zeit ist, sich auszuruhen.
Ab jetzt bestimmen Sie auch, wann er auf die Terrasse darf.
Die Terrasse kann den Spaziergang nicht ersetzen. Sie sollte lediglich als Alternative dienen, wenn wirklich keine Zeit für den Spaziergang ist.
Wenn Sie ab jetzt einfach mehr darauf achten, Ihren Hund in Ihr tägliches Leben einzubinden, ihm, wie einem Kind, Grenzen, Freiräume, Aufgaben und Liebe geben, wird er schnell wieder der „„alte““ glückliche Familienhund.
Mit lieben Grüßen, José Arce

Fragen an José Arce & Team per E-Mail an:
hunderatgeber. mz@epi.es

Anti-Jagdtraining ist nicht geeignet

Anti-Jagdtraining ist nicht geeignet

Lieber José Arce & Team,
ich habe vor zwei Jahren einen Hund aus dem Tierheim aufgenommen. Sam ist ein Galgo- Schäferhund-Mix und nun zweieinhalb Jahre alt. Sam ist ein echt toller Hund. Typisch Galgo, verschmust und treu. Versteht sich super mit unserem anderen Hund Tobi und möchte immer gefallen. Er hört richtig gut, wenn man ihn von der Leine lässt. Kommt zurück, wenn man ihn ruft.
Es sei denn, er sieht ein Kaninchen. Dann habe ich keine Chance mehr. Er hört dann nicht mehr und läuft auch los. Sam ist zwar schnell wieder da und findet den Rückweg sofort. 
Aber erstmal ist er weg. Wir gehen jeden Tag an der Ruhr spazieren auf einer Hunde-Freilauf-Wiese. Dort darf man toben, buddeln und schwimmen. Aber dort wohnen nun mal auch Kaninchen. Und jetzt kommt die dunkle Jahreszeit. Die Kaninchen kommen im Dunkeln raus, um nach Nahrung zu suchen. Leider findet Sam alle und jagt ihnen hinterher. Ich versuche ruhig zu bleiben und lobe ihn, wenn er zurückkommt. Aber lieber wäre es mir, wenn er gar nicht erst hinter ihnen herrennen würde. Er soll ja spielen und laufen, aber doch nicht hinter den Kaninchen. In der Nähe verläuft eine viel befahrene Straße. Diese ist zwar von einer Mauer getrennt, aber das stellt leider kein Hindernis für Sam da. Ich mache bereits Suchspiele mit ihm in der Wiese. Sam ist leider nur sehr schnell von allem gelangweilt und schaut dann lieber mal, was die Kaninchen so machen.

Und nun zu meiner Frage: Was kann ich machen, damit ich interessanter werde als die Kaninchen, und Sam nicht mehr durchstartet? Ich weiß ja, dass es Galgo-typisch ist, die Kaninchen zu jagen –– aber bitte nur auf Kommando. Ich bin echt mit meinem Latein am Ende und habe keine Ahnung mehr, was ich noch machen kann. Ihn an die Laufleine zu nehmen den ganzen Winter über, kann es ja nicht sein, zumal er mir dann wohl die Wohnung auseinander nehmen wird. Er muss sich ja bewegen und rennen können.
Ich würde mich sehr über eine baldige Antwort freuen. Damit wir so schnell wie möglich mit dem Training anfangen können und Sam, Tobi und ich sicher durch die dunkle Jahreszeit kommen. Vielen Dank, Susanne Hegel


Liebe Frau Hegel,
danke für Ihre interessante Frage. Galgos sind eine sehr alte Hunderasse und wurden gezüchtet, um spontan zu jagen. Das bedeutet, sie jagen nicht auf Kommando. Meine persönliche Meinung ist, dass ein Anti-Jagdtraining für diese Hunde nicht geeignet ist. Es geht gegen ihre Natur. 
Wenn Sie Ihren Hund glücklich machen möchten, müssen Sie ihn jagen lassen. Das geht natürlich nicht. Aber machen Sie sich bitte keine Sorgen, ich habe die Lösung für Sie, ich habe auch einen Galgo: meinen Troy. Sie haben den Hund gerettet, und er ist nun schon ca. zwei Jahre alt. Sie können ihm ein schönes Leben geben, auch ohne dass er frei laufen kann.

Sie müssen Sam in Ihr Leben integrieren, er soll Ihr Begleiter sein! Tun Sie etwas für sich beide, unternehmen Sie sportliche Aktivitäten, die Ihnen beiden gut tun, etwa Joggen oder Radfahren. Genießen Sie Ihren Hund!
Machen Sie sich bitte frei von dem Gedanken, dass Sie Ihren Hund nun nicht mehr frei laufen lassen können. Alles andere wäre unverantwortlich und eine Utopie! Toll wäre es natürlich, wenn Sie Sam dann und wann die Möglichkeit zum Sprinten geben. Dafür müssen Sie aber ein sicheres Gelände finden. Mir ist es wichtig, dass es Ihnen beiden gut geht, und ich möchte Sie nicht anlügen. 
Vielleicht haben Sie schon andere Menschen gesehen, die auch einen Galgo haben und den Hund problemlos ohne Leine laufen lassen können. Da stimmt dann die Beziehung von Anfang an! 
Genau daran müssen Sie nun arbeiten. Keine Sorge, so wird auch Ihr Sam ein glückliches Hundeleben an Ihrer Seite haben.
Ihr José Arce

Mein Hund kann nicht alleine bleiben

Lieber José Arce,

seit dem 30.5. ist Clara ein wunderbares spanisches Labi- Mix-Mädchen bei mir. Es klappt alles wunderbar, bis auf eine Sache: Sie hat Probleme auch nur minutenweise allein zu bleiben und wollte auch schon durch die Fenster flüchten. Dabei hat sie das halbe Zimmer zerstört. Ich habe versucht, das Alleinsein langsam zu steigern, aber vielleicht war es doch zu schnell.

Clara ist drei Jahre alt und hat zuerst wild gelebt, dann hat ein lieber Spanier sie angefüttert und ins Tierheim Valencia gebracht, wo sie acht Monate war. Ich hatte das große Glück, dass sie danach drei Wochen bei einer sehr liebevollen Pflegestelle verbrachte, wo sie schon einiges kennenlernen konnte. Dort war sie aber immer im Hunderudel – ich denke, ganz allein sein kennt sie noch gar nicht.

Ich habe entdeckt, dass sie Rinderkopfhautplatten liebt. Ich gebe sie ihr jetzt nur, wenn ich raus gehe (bisher nur ein oder zwei Minuten), und das klappt. Wenn ich wiederkomme, nehme ich sie ihr weg. Kann ich darauf aufbauen? Ich danke Ihnen für Ihre Antwort !

Alles Liebe, Christine

                                                                                                     

Liebe Christine,

die Idee den Hund mit den Hautplatten abzulenken, finde ich gut. Und sie haben auch richtig erkannt, wie wichtig es ist, Clara in besonders kleinen Schritten beizubringen, alleine zu bleiben. Das alles hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Clara muss verstehen, dass ihr nichts Schlimmes passiert und sie ihnen vertrauen kann. Bis sie begreift, dass sie immer wiederkommen. Hierbei ist Geduld die beste Hilfe. Heute zwei Minuten, dann sind es vielleicht übermorgen schon fünf.

Dann ist irgendwann der Punkt erreicht, wo sie merken, Clara hat verstanden und fühlt sich nun nicht mehr verlassen und unsicher. Also bleiben Sie bitte geduldig bei der Sache.

Das stärkt nebenbei auch ihre Bindung zu Clara und die Bindung von Clara zu Ihnen.

Nun noch einen Tipp zur Vorgehensweise: Bevor Sie Clara alleine lassen, machen Sie bitte einen disziplinierten Spaziergang mit ihr. Verlassen Sie das Haus, als ob es das Normalste der Welt wäre. Wenn sie dann wieder zurückkommen, machen Sie bitte nicht den Fehler, wie so oft empfohlen, Clara zu ignorieren! Sie dürfen sich ruhig freuen, sollten Clara aber auch nicht aufregen!

Das Erste, was ein Hund lernt, wenn er als Welpe zu uns nach Hause kommt, ist das er auch mal alleine bleiben muss. Clara hat das als Welpe nicht gelernt. Sie müssen Clara behandeln, wie einen Welpen, für den alles neu ist und der langsam seine ersten Schritte in unserer Welt macht.

Ihre Geduld bei diesem Lernprozess ist wichtig für Clara. So merkt sie dann auch, dass Sie Verantwortung und Sicherheit für sie bedeuten, und sie werden zu einem tollen Team.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Ihr José Arce

                                                                                               

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Paula braucht eine Chefin

Hallo Herr Arce,
ich hatte einen Labrador Mix, der vor zwei Jahren mit 14 Jahren gestorben ist. 

Er wurde von mir mehr als vorbildlich erzogen, er war ein angenehmer Zeitgenosse.

Paula ist das genaue Gegenteil. Sie ist 60 cm hoch und 70 cm lang, ein Mix aus Golden Retriever, Jagdhund und eventuell Podenco, das weiß keiner so genau. 

Ich habe sie aus dem Tierheim in Calvià geholt. Es ist nicht klar, wo sie herkommt, 

wie alt sie ist und was sie erlebt hat. Sie ist sehr liebebedürftig und hört inzwischen recht gut, doch sie hat so einige Macken, die ich beim besten Willen nicht aus ihr raus bekomme.

Ich gehe mit ihr täglich ausgiebig spazieren. Hierbei muss sie erst an der Leine gehen, dann kann sie ein Stück alleine rennen und sich austoben, dann wieder an der Leine. Vor allem wenn sie eine Katze sieht oder andere Hunde, zieht sie derart an der Leine, dass sie mich fast vom Gehweg reißt. Sie hat mich schon um die Hausecke gewickelt.

Überhaupt: Sieht sie eine Katze –– sie mag Katzen, ich habe selbst eine, sie schmusen und schlafen zusammen ––, dann ist sie weg und hört auch nichts mehr. Ähnlich ist es mit Hühnern oder Schafen. 

Schafe allerdings will sie hüten und zusammentreiben.

Ein weiteres Problem: Sie klaut von der Küche. Vor ihr ist nichts sicher, ganze Kuchenplatten hat sie schon vertilgt.

Zudem liegt sie den ganzen Tag auf ihrer Matte oder im Körbchen, doch wenn ich schlafen gehe, 

geht sie flugs auf das Sofa. Ich habe verschiedene Gegenstände darauf platziert –– sie schubst sie einfach runter. 

Man sagt, ich solle eine Decke auf das weiße Sofa legen, doch ich sehe das nicht ein, ich will sie nicht auf dem Sofa haben.

Was kann ich tun? Gibt es eine Lösung für uns oder muss ich mich etwa wieder von ihr trennen? 

Ich wiege 57 kg, doch sie kann mich mit einem Ruck umhauen, ich muss immer sehr aufpassen. Ich suche schon Wege, wo ich alleine bin, leider kann ich sie nie mit in den Ort nehmen, weil ich sie mitunter dann nicht halten kann.

Herzlichst, Evelyn Olffers


Liebe Frau Olffers,
ich möchte Ihnen zuerst gerne erklären, was mit Paula los ist. Dann verstehen Sie bestimmt besser, wie Sie die Situation ändern können.

Keiner weiß, was für ein Leben Paula vorher hatte. Durch Ihre tolle Beschreibung verstehe ich aber, was mit ihr los ist. 

Paula hat Sie noch nicht als Chefin akzeptiert! Sie zieht an der Leine, hat also beim Spaziergang das Kommando. 

Paula klaut Ihnen den Kuchen und andere Lebensmittel aus der Küche, also denkt sie immer noch, dass sie für sich sorgen muss. 

Paula beschlagnahmt Ihr Sofa und macht Ihnen so deutlich, dass ist mein Platz, ich bin der Chef im Haus. 

Paula schmust mit Ihrer Katze –– dass geht nur, wenn der Hund sich der Katze unterworfen hat.

Um Ihre Situation zu ändern, müssen Sie es schaffen, Paula zu zeigen, dass Sie das Kommando haben. Ihr die Sicherheit und Ruhe geben und zu guter Letzt auch Ihre Liebe. Vergessen Sie einfach mal Ihre Gefühle, dem Hund Freiheit zu geben. 

Das können Sie gerne tun, wenn Paula gelernt hat, ohne zu ziehen neben Ihnen zu laufen und Sie und Ihr Eigentum respektiert. Machen Sie ab jetzt mit Paula disziplinierte Spaziergänge. Achten Sie darauf, dass Sie bestimmen, wo es lang geht und wo geschnüffelt wird. Sorgen Sie dafür, dass Paula lernt, dass die Küche nun tabu ist. Wenn Sie das geschafft haben, wird Paula auch Ihr Sofa respektieren. Ich bin sicher, was Ihre Katze schon längst erreicht hat, werden Sie auch schaffen!

Ihr José Arce

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Ihr Hund möchte Sie beschützen

Hallo Herr Arce,

seit drei Jahren wohnt bei mir meine Cane-Corso-Hündin Luna.

Sie ist nun sieben Jahre alt und kerngesund. Sie schläft, wie es auch im Buch über diese Rasse steht, 16 bis 20 Stunden.

Und sie schläft wirklich, das hört man am Schnarchen.

Ich kann sie dann nur schwer zu irgend etwas animieren. Wenn es darum geht, einen Spaziergang zu machen, ist sie allerdings immer schnell hellwach.

Die ersten drei Jahre ihres Lebens hat Luna nur draußen verbracht, war allein und auf sich gestellt. Sie war sehr ängstlich, als sie zu mir kam. Diese Ängste haben wir gemeinsam abbauen können. Ist das vielleicht der Grund dafür, dass sie so viel schläft? Ich meine, dass sie jetzt einfach die Ruhe bei mir genießt nach ihrem Dasein als Wachhündin?

Soll ich sie einfach schlafen lassen, so viel sie will, oder sollte ich sie mehr beschäftigen?

Eine andere Sache: Luna hat es nicht so mit ihren Artgenossen. Wenn wir unterwegs anderen Vierbeinern begegnen und der fremde Hund ruhig bleibt, ist alles ok. Sobald Luna jedoch angeknurrt oder angebellt

wird, geht sie auf den anderen Hund los. Ich kann mir ja schon denken, dass das Problem bei mir liegt. Ich bleibe ruhig und teile ihr mit  ohne Worte, nur mit einem leisen XPssstY, und schon einige Meter vor der Begegnung, dass ich den Hund auch sehe und das alles in Ordnung ist, aber es passiert trotzdem. Wenn wir die Komfortzone von drei bis fünf Metern einhalten können, ist alles gut. Was kann ich noch tun? Oder tue ich schon zu viel?

Liebe Grüße, Birgit

 

Hallo Birgit,

Luna ist ein toller Hund. Sie schläft viel und fühlt sich bei Ihnen wohl. Aber auch ein älterer Hund wie Ihre Luna braucht lange Spaziergänge,

denn diese betrachtet der Hund als eine Art Aufgabe.

Sie haben schon richtig bemerkt, dass, sobald ein anderer Hund sich Luna gegenüber dominant verhält, Sie die Kontrolle über Ihren Hund verlieren. Genau hier müssen Sie nun aktiv werden.

Suchen Sie die Orte, an denen Sie andere Hunde treffen. Vergessen Sie bitte alles, was Sie dann bisher gemacht haben. Achten Sie nicht mehr auf die anderen Hunde.

Beobachten Sie genau, wie Luna sich verhält. Sobald Sie merken, dass Luna angespannt ist, bleiben Sie von nun an stehen und setzen den Hund hin. Dann sorgen Sie dafür, dass Luna sich auf den Boden legt.

Das alles bitte mit viel Ruhe und Sicherheit  auf keinen Fall mit Hektik. Nun warten Sie, bis der andere Hund weg ist und gedulden sich, bis Sie merken, dass Luna entspannt ist.

Nun können Sie den Spaziergang fortsetzen. Luna wird durch diese Übung bald begreifen, dass Sie Ihr Sicherheit und Ruhe beim Spaziergang geben und sie nicht mehr ihre Position schützen muss.

Viel Erfolg, Ihr José Arce

 

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Draußen frustriert, zu Hause aggressiv

Lieber Herr Arce,

unser Hund Picco kommt aus dem Tierheim. Er war von Anfang an ängstlich, hat aber zu uns Vertrauen gefasst und ist sehr verschmust.

Er verhält sich in sehr vielen Dingen wie ein Welpe. Es gibt kleine Eifersüchteleien zwischen unserer Tochter und ihm, die aber nicht weiter nennenswert sind. Wir gehen vor ihm durch die Tür. Er wird auf seinen Hundeplatz geschickt, wenn jemand kommt, und auch so zwischendurch. Er geht gut an der Leine und zieht nicht. Strebt nach vorne, beherrscht sich aber. Er ist sehr angespannt.

Ihn bringen zwei Dinge vollkommen aus der Fassung: Fremde Hunde beim Spazierengehen und Besucher im Haus. Er hat schon Fremde gebissen. Aber es ist nicht nur das Spazierengehen.

Ein Beispiel: Wir waren Wandern. Das Ziel ist ein Gasthaus mit Garten.

Die Sonne scheint. Wir aber sitzen im Haus, denn im Biergarten draußen waren Leute mit einem Hund. Hätten wir uns draußen hingesetzt, hätte Picco den anderen Hund angebellt und angepöbelt. Meistens provoziert er und bringt auch ruhige Hunde aus der Fassung. Manchmal hört er auf, aber er winselt und jault mitunter auch eine Stunde lang. Das hält niemand aus, und für andere Leute ist es eine Zumutung.

Dass er fremden Menschen gegenüber scheu ist, ist für uns kein Problem. Es kommt Besuch, wir sitzen in der Küche und er ist auf seinem Hundeplatz.

Die Leute bekommen von uns die Anweisung: nicht ansehen, nicht

ansprechen, nicht anfassen. Geht jemand in seiner Nähe vorbei, knurrt er. Wenn alle ruhig sitzen, legt er sich schon mal zu Füßen von Fremden – solange sie ihn ignorieren. Streckt aber jemand seine Hand zu Boden, um etwas aufzuheben, wird er gezwickt. Wenn Kinder ins Haus kommen, muss er einen Maulkorb tragen, weil ein Kind versuchte, ihn zu streicheln und gebissen wurde.

In seinem Gehirn ist noch nicht angekommen, dass wir alles für ihn regeln. Das ist meiner Ansicht nach der alles entscheidende Knackpunkt. Wir sind an einem Punkt, an dem wir mit gewöhnlichen Methoden der Hundeschule nicht weiterkommen. Ich sage sogar: Mit dieser Situation kann ich die nächsten Jahre nicht leben. Manchmal denke ich, es wäre das Beste, ihn wegzugeben. Was würden Sie uns raten? Was können wir anders und besser machen? Wir wollen unseren Hund natürlich gerne behalten.

Schöne Grüße aus Passau,

Meta & Tommy Dantl

 

Hallo Meta und Tommy,

Sie sind zu lieb für diese Welt! Sie verwenden so viel Energie und Zeit darauf, Ihren Hund verstehen zu wollen – da haben Sie den Faden verloren!

Ihr Hund reagiert dominant, aufgeregt und frustriert, weil er das Gefühl hat, er muss das Rudel oder die Familie unter Kontrolle haben. Natürlich sehen Sie das nur, wenn er andere Hunde trifft oder Besuch da ist. Ihr Vierbeiner kann das aber nur in diesen Situationen zeigen!

Wenn Sie die Kontrolle und das Vertrauen wiedergewinnen wollen, müssen Sie sich ausschließlich auf diesen Punkt konzentrieren. Alles andere ist nur eine Konditionierung, und Sie haben sich daran gewöhnt, Ihren Hund so zu sehen. Ich rate Ihnen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, da Picco auch schon gebissen hat. Ich kann Ihnen versprechen, das kann man wieder in Ordnung bekommen. Wichtig ist, jemanden zu finden, der Ihnen zeigt, wie Sie die Kontrolle wieder übernehmen, ohne Tricks und Leckerlies.

Sie müssen in der Lage sein, Besuch zu empfangen, ohne dass dieser in Gefahr ist, wieder normal mit Picco spazieren zu gehen und auf einer Terrasse einen Kaffee zu trinken, egal ob dort auch andere Hunde sind. Vertrauen Sie mir, Sie müssen sich nicht von Picco trennen! Sie alleine können es aber nicht schaffen, Picco zu rehabilitieren.

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Tief Luft holen und neu beginnen

Hallo Herr Arce,

meinen siebenjährigen Tervueren-Rüden habe ich übernommen, als er ein Jahr alt war. 

Nun habe ich folgendes Problem: Wenn er andere Hunde sieht, rastet er total aus.

Derzeit versuche ich, sein Verhalten mithilfe einer Futterstrategie in den Griff zu bekommen: Sobald ich einen fremden Hund sehe, gebe ich meinem Vierbeiner das Kommando „„Sitz““. Schaut er mich dann sofort an, ohne Theater zu machen, bekommt er das Futter. Das klappt. Trotzdem ist es derzeit leider so, dass ich ihn kaum noch ableinen kann. Wenn er einen anderen Hund bemerkt, bevor ich ihn sehe, rennt er sofort zu ihm, überrollt ihn einmal und kommt dann wieder zurück.

Ich habe schon so viele Hundetrainer hier gehabt, aber keiner von ihnen konnte mir wirklich helfen. Es macht ehrlich gesagt keinen Spaß mehr, mit ihm spazieren zu gehen. 

Vielleicht haben Sie ja eine Idee oder einen Tipp für mich, wie ich die Sache in den Griff bekommen kann?

Liebe Grüße, Susanne Gewehr


Hallo Susanne!
Belgische Schäferhunde verfügen allgemein über einen lebhaften und temperamentvollen Charakter. Hinzu kommt, dass Ihr Vierbeiner ein besonders aktiver und lernwilliger ist. 

Sie haben schon so viel geschafft und können ruhig etwas stolz auf sich sein. Aber überdenken Sie noch einmal Ihre Strategie: Wenn Ihr Hund nur durch Futter seine Aufmerksamkeit auf Sie konzentriert, heißt das, dass er Sie noch nicht als Chefin akzeptiert. Ist der Reiz größer als das Futter, bestimmt er einfach für sich, was er macht. 

In diesem Fall läuft er Ihnen dann weg und Sie haben die Kontrolle verloren.

Sie brauchen keinen weiteren Hundetrainer. Sie müssen an sich selbst arbeiten und Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Ihr Hund muss spüren, dass Sie die Kontrolle und Verantwortung für ihn haben. Ein Hund, der merkt, dass niemand diese Aufgaben trägt, sieht sich instinktiv gezwungen, diese selbst zu übernehmen.

Also holen Sie tief Luft und beginnen Sie neu: Zeigen Sie ihm, dass Sie nicht nur für das Futter Verantwortung tragen. Bestimmen Sie schon zu Hause, was wann und wie gemacht wird. Mit demselben Gefühl verlassen Sie dann auch das Haus. Wenn Sie es schaffen, ihn spüren zu lassen, dass er die Verantwortung nicht mehr tragen muss, werden Sie schnell Erfolg haben und bald stress- freie Spaziergänge erleben.

Ihr José Arce


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