DEUTSCHE DOGGE 125 Jahre DDC 1888 e.V.28

DER „PROBLEMHUND“ - TEIL 2

Im Januar-Heft hatten wir gefragt: „Wann ist ein Hund ein Problemhund?“ Und einige Beispiele genannt, wie ein Hund tatsächlich zum Problem werden kann. Den Beitrag setzen wir in diesem Heft fort.

Wenn man Fernsehsendungen, Zeitungsannoncen, Websites und anderes dies-bezüglich betrachtet, gewinnt man den Eindruck, dass es sehr viele Problemhunde gibt, denn es wimmelt geradezu von Hundetrainern, Hundetherapeuten, Hundepsychologen, Hundeflüsterern, sogar eine Tiertelekommunikatorin (nein, kein Schreibfehler) gibt es, die den Besitzern telefonisch mitteilt, was deren Tiere denken, das Ganze für 200 Euro die Stunde.

Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, zusätzlich zu den Hundeschulen auch Prä-Hund-Schulen einzuführen, damit sich Menschen, die sich einen Hund zulegen wollen, sowohl über die Erfordernisse bei der Hundehaltung allgemein als auch die Eigenschaften bestimmter Rassen informieren können. Vorbildlich sind die Paare/ Familien, die bereits eine Vorauswahl getroffen haben und sich dann verschiedene Rassen auf einer CACIB ansehen und bei den Hundebesitzern und Züchtern Fragen stellen. Wenn man sich so viel Zeit nimmt, um das nächste Auto oder die neue Couch auszusuchen, sollte man doch auch ein bisschen Zeit investieren, wenn es um den neuen Mitbewohner geht.

Idealerweise wird man in dem Rasseverband, für den man sich entschieden hat, Mitglied und profitiert so von dem Wissen und Können der Ausbilder. Wir im DDC haben so viele gut geschulte Übungswarte und Übungsleiter, wir haben den AEAS und wir haben auch viele Doggenhalter und Züchter, die nach 10, 20, 30 und mehr Jahren Erfahrung mit Doggen so einiges gesehen und erlebt haben. Wer immer also Hilfe wegen seiner Dogge benötigt, wird diese auch bekommen, und sofern er die-se Ratschläge dann AKTIV umsetzt (nicht nach dem Motto: „jetzt war ich schon bei soo vielen Hundespezialisten und keiner konnte meiner Dogge helfen…“), wird ihm auch geholfen werden!

Uns Doggenbesitzern fällt von all den Hundegurus im Internet einer ganz besonders auf, und zwar José Arce („es gibt keine Problemhunde – wenn ein Hund in festen Strukturen leben darf, ordnet er sich gerne unter und lässt sich gerne führen“), denn er arbeitet mit fünf Deutschen Doggen, die als Therapiehunde ausgebildet sind und ihm im Umgang mit dominanten, hyperaktiven oder aggressiven Hunden zur Seite stehen. Der geborene Mallorquiner hatte bereits als Kind ein Händchen für Hunde, immer

wieder wurde er von Freunden, Bekannten und auch völlig Fremden um Rat und Hilfe gebeten, bis er schließlich 2008 auf Mallorca ein Reha Zentrum für Hunde eröffnete. Für manch einen Hund ist dieses Reha-Zentrum die allerletzte Chance.

Um ihre Aggressionen abzubauen, bekommen diese Hunde zuerst ausreichend Bewegung, danach werden sie ins Doggen-Rudel integriert, sie lernen von den Doggen, sich wieder unterzuordnen, die Führung abzugeben, die sie übernehmen mussten, und wenn der Hund wieder be-ginnt, ein „normaler“ Hund zu werden, wird mit ihm gearbeitet, damit er das verloren gegangene Vertrauen in die Menschen wiederfinden kann.

Den Titel „Hunde-Trainer“ mag José nicht, denn er hält nichts davon, bestimmte Verhaltensweisen ab- bzw. anzutrainieren. Er analysiert zuerst den Menschen, danach den Hund, und fast immer liegt’s am Menschen. Wenn der Mensch gelernt hat, Verantwortung und Führung zu übernehmen, lösen sich die meisten unerwünschten Verhaltensweisen in Luft auf. Sein Leitsatz lautet: „Der Chef hat zwei Beine“ und er stellt drei Regeln auf für den Menschen im Umgang mit seinem Hund: „ERKENNE, RESPEKTIERE und LIEBE deinen Hund“.

José schreibt: „Wir behandeln Pferde wie Pferde, Schafe wie Schafe, nur unsere Hunde wollen wir wie Menschen behandeln“. Wenn der Mensch die Führungsposition übernimmt, fühlt der Hund sich sicher, geliebt und respektiert.

Bekannt wurde José Arce u.a. durch eine SAT 1 Dokumentation über eine Frau, die von ihrem Bullmastiff Mischling ins Gesicht gebissen wurde und die – Dank José Arce – heute wieder glücklich mit ihrem Hund zusammenlebt, sowie auch durch Peter Maffay, der seine Hilfe benötigte im Um-gang mit einem bissig gewordenen Hütehund. Inzwischen ist er nicht nur auf Mallorca bekannt, er fliegt regelmäßig zu Kunden in Deutschland, der Schweiz, Norwegen.

Sein Sekretär erzählt : „Da rufen Menschen an, die sind völlig verzweifelt, die fahren je-den Tag viele Kilometer, nur um eine Stelle zu finden, wo ihnen und ihrem Hund kein anderer Hund, kein Mensch begegnet“.

José Arce hat inzwischen 2 Bücher geschrieben, das erste trägt den Titel „Meine 5 Geheimnisse für eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung“ und fällt nicht nur durch wunderschöne Hundebilder (viele Auf-nahmen von Doggen) auf, sondern be-sticht auch durch eine sehr schöne, klare, schnörkellose Sprache. Jedes Thema ist in viele Segmente aufgeteilt und noch ein-mal unterteilt, der Inhalt kommt sozusagen häppchenweise rüber, ist dadurch leicht verständlich und einprägsam, vieles wird aus der Perspektive des Hundes geschildert.

Seine Bücher lesen sich sehr kurzweilig und laden zum Wiederlesen ein, zumal man permanent auf Textstellen trifft, die man meint, noch nicht gelesen zu haben. Dazu gibt es viele praktische Übungen, die auch für Hundehalter ohne Problemhund interessant sind wie z.B. das disziplinierte Gassigehen. Hört sich sooo einfach an, bis man es selbst einmal „just for fun“ ausprobiert...

Zusätzlich gibt José Arce Ratschläge, wie man seinen Hund während eines Spaziergangs beschäftigen kann, er erklärt, wie wichtig auch die geistige Beschäftigung für den Hund ist - sonst werden diese ein bisschen wie Kinder, die man regelmäßig vor den Fernseher setzt, damit sie aus dem Weg und beschäftigt sind – nämlich immer zappeliger. Auf seiner Homepage (www.jose-arce.com) schildert er einige typische Fehler von Hundehaltern und in seinem Blog (www.jose-arce-hunde-frage. blogspot.com.es gibt er verzweifelten Hundehaltern Ratschläge.

Ein Bericht von Gabriele Best-Ehret

WUFF HUNDEMAGAZIN

José Arce mag die Bezeichnung Hundetrainer für sich nicht, er bevorzugt daher „Hund-Mensch-Therapeut“. ­Damit will der mit seinen fünf Doggen auf Mallorca ­lebende Trainer und Buchautor aber nicht sagen, dass er psychische Krankheiten im klassischen Sinne heilt. ­Vielmehr versteht der 1974 geborene Spanier sich als ­Beziehungsberater. Denn für ihn gilt primär: Ist die ­Beziehung zwischen Hund und Halter in Ordnung, ist der Rest sekundär.

WUFF-Gassireporter Maximilian Pisacane traf den Buchautor und Hundeversteher José Arce zum Interview:


Pisacane: Eigentlich wolltest du doch nach deinem ersten Buch, wo es um Gefühle und Beziehungen geht, keinen Hunde­ratgeber schreiben. Was hat deine Meinung geändert?


Streng genommen ist es ja kein Ratgeber-, sondern ein Praxisbuch. Denn durch meine zahlreichen Lehrgänge konnte ich viele Mensch-Hunde-Teams kennen lernen. Dabei sind mir vor allem 2 Punkte aufgefallen, die auch in eurem GASSIREPORT immer wieder eine große Rolle spielen: 1) eine große Unwissenheit über Hunde und 2) zu wenige Empathie und Verständnis für das Hundewesen. Viele Menschen sind einfach zu ungeduldig im Umgang mit ihrem Hund. Statt dessen sollten sie die Zeit mit ihrem Hund und seine Instinkte mehr genießen.


So erkläre ich mir auch, warum so viele Menschen Probleme mit ihrem Hund haben. Denn streng genommen gibt es keine wirklichen Problemhunde! Das ist eine der seltsam-skurrilen Auswüchse derzeit in der Hundeszene. Und da ich nicht nachvollziehen kann, dass man sich über Hunde und ihr Wesen nicht informiert, wenn man einen hält, war also ein Buch die logische Konsequenz um mehr Informationen zu verbreiten.




Aber einige haben auch schwierige Hunde, eventuell mit eine schwierigen Vorgeschichte...


Ja, aber für mich sind Schwierigkeiten in erster Linie etwas Neues, was es zu erkunden und entdecken gilt. Das muss man also gar nicht so negativ sehen, eher neutraler, als einfach etwas, was man so noch nicht kennt. Und schon strahlt man mehr Ruhe aus. Das ist wegen der Stimmungsübertragung viel besser, als der Frust darüber, dass irgendwas nicht geklappt hat. Und nur weil sie scheitern oder mit sich unzufrieden sind, projizieren sie das auf ihre Hunde und deklarieren sie als Problemhunde. Das ist zwar menschlich, aber unfair.



In deinem Buch schreibst du, dass in jedem Hund ein Wolf steckt. Da würde dir aber so mancher Wissenschaftler widersprechen.


Ich schrieb das Buch auch nicht als wissenschaftliche Abhandlung, sondern für den Otto-Normal-Halter. Daher ging es mir hauptsächlich um Verständlichkeit und nicht um wissenschaftliche Genauigkeit. Ob im Chihuahua nun 2 Prozent, 1 Prozent oder 0,873 Prozent von den Genen noch vom Wolf sind und bei anderen Hunderassen mehr oder weniger ist sicherlich wissenschaftlich interessant, aber für meine Botschaft nicht so relevant. Wichtig bei dem bildlichen Vergleich war mir, dass der Hund von einem Raub- und Rudeltier abstammt und sich daraus gewisse Verhaltensweisen ableiten. So wie auch bei uns Menschen bei den Primaten.


Aber vermenschlichst du den Hund nicht an manchen Stellen?


Nein, nicht wirklich. Denn der Hund ist kein wildes Tier mehr. Er hat mit uns Menschen ja eine Koevolution mitgemacht. Und Domestizierung ist immer auch eine teilweise Vermenschlichung. Die Frage ist nur, welches Maß. Ich sage: Genieße den Hund wie einen Menschen, aber lass ihn Hund sein!



Wie meinst du das?


Nun ja, viele sind doch gefrustet, wenn ihr Hund nicht wie ein Mensch reagiert. Das ist sehr egoistisch, denn er kann doch gar nicht anders, als wie ein Hund zu agieren. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich der Frust dann gegenseitig hochschaukelt. Daher schaue ich mir immer an, was das für ein Mensch ist, was das für ein Hund ist, und vor allem: was das für eine Beziehung ist Denn wenn Hund und Mensch sich verstehen, dann ist das für mich eine gute Beziehung.


Demnach würdest du sagen, dass Beziehung vor Erziehung geht?


Eine gute Beziehung macht die Erziehung auf jeden Fall leichter. Allerdings würde ich das nicht so ganz strikt trennen, denn so manche Beziehungsarbeit erzieht auch und so manche Erziehung ist auch förderlich für die Beziehung. Dabei helfen einem Menschenverstand und Bauchgefühl!Viele Menschen machen sich einfach zu viele Gedanken, sind zu kopflastig bei der Sache, dabei ist es viel einfacher als viele denken. Daher sage ich immer: Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund!


Respektiere die Natur des Hundes

 

Der spanische Hundeexperte José Arce lebt mit seinem Hunderudel auf der Baleareninsel Mallorca. Mit Sensibilität und Feingefühl geht er seit vielen Jahren seiner Berufung und seiner eigenen, unkonventionellen Methode im Umgang mit Hunden nach. Sein Credo: Respektiere die Natur des Hundes. Fritz&Anna-Autorin Sabina Pilguj führte das Interview.

Wer seinen Hund als solchen wahrnimmt, seine Bedürfnisse kennt und mit ihm artgerecht kommuniziert, sorgt für ein harmonisches Zusammenleben. Der Hundeexperte setzt zuerst beim Halter an, damit dieser lernt, sein Bauchgefühl für den Vierbeiner zu schulen und Verständnis für das Tier zu entwickeln, um so eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen. „Wer erkennt, wie Hunde funktionieren, vermeidet viele Missverständnisse“, so der Spanier. In seinem neuen Buch „José Arces Praxisbuch“ wird anschaulich erklärt, wie einfach Hundeerziehung und das vertrauensvolle Miteinander sein kann. Es werden bebilderte Übungen vorgestellt, die Schritt für Schritt die Umsetzung in der Praxis erklären. Neben dem erfolgreichen und souveränen Meistern normaler Alltagssituationen mit dem Hund geht es aber auch darum, Unarten gelingend zu korrigieren. Viele wunderschöne Bilder und Eindrücke von José Arce mit seinen Hunden runden das Werk ab und wecken die Sehnsucht nach einer harmonischen Verbindung zum eigenen Hund. Der Spanier mit dem großen Herz für Hunde betreut in seinem Zentrum unter anderem auch verhaltensauffällige Hunde, die durch seine einfühlsame Anleitung eine Resozialisierung erfahren können

Sie sind erfolgreicher Hundeexperte, leidenschaftlicher Blogger sowie Autor von Büchern und betreuen einen internationalen Kundenstamm. Wie erklären Sie sich aktuell diesen José-Arce-Boom?

Die Menschen verstehen, dass ich ihnen einfach nur die Augen öffnen möchte. Meine Methode ist nichts Kompliziertes oder Unverständliches, im Gegenteil: Es ist sehr einfach und steckt in jedem von uns. Es gibt eine natürliche und instinktive Verbindung zwischen Mensch und Hund, man muss sie nur wiederfinden. Ich möchte helfen, dass jeder Mensch das erkennt und so eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung für alle möglich ist. Mich interessieren Menschen und Tiere, dabei bin ich ehrlich: Auch ich mache Fehler. Ich bin einfach nur ein Mensch, der anderen Menschen helfen möchte. 

Wie baue ich eine richtig gute Beziehung zu einem Hund auf?

Sehr einfach: „Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund“, in genau dieser Reihenfolge. 

Erklären Sie uns Ihre Aussage „Hundeerziehung beginnt immer bei uns selbst. In unserem Kopf, in unserem Herzen. In unserem Bauch.“

Damit meine ich, dass wir bei uns selber anfangen müssen. Uns erkennen, Ruhe finden und uns selber sicher fühlen. Das sind die Voraussetzungen, die wir brauchen, um zurückzufinden zu unseren eigenen Instinkten. Nur so können wir dann artgerecht mit unserem Hund kommunizieren.

Warum gibt es Ihrer Meinung nach in Deutschland so viele „Problemhunde“? Wo liegt das Problem?

Deutschland ist ein Land mit viel Hundekultur. Den meisten Hunden geht es gut. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Problemhunde gibt. Meiner Meinung nach liegt das – so wie in vielen anderen hoch entwickelten Ländern – daran, weil viele Menschen ihre Wünsche auf den Hund projizieren, ohne ihn dabei zu erkennen. Es ist so normal geworden, einen Hund zu haben und ihn zu lieben, dass die meisten Menschen versagen, wenn es dann ein Problem gibt. Für viele Menschen bedeutet Erziehung leider dasselbe wie Strafe, und dadurch entstehen dann die meisten Schwierigkeiten. Ein weiteres Problem in Deutschland ist, wenn Hunde mit einer schlechten Vergangenheit aus dem Ausland an Menschen vermittelt werden, die nicht darauf vorbereitet sind, mit diesen Hunden umzugehen.

Sie sehen den Besuch einer Hundespielwiese eher kritisch. Warum?

Unsere Hunde brauchen nicht nur Bewegung, um müde zu werden; sie brauchen auch eine Aufgabe, die sie geistig fordert. Bei Tieren, denen diese vorenthalten wird, muss ich immer ein bisschen an Kinder denken, die von ihren Eltern vor den Fernseher gesetzt werden, damit die ihre Ruhe haben. Dass der Nachwuchs danach umso zappeliger und unausgeglichener ist, scheint ihnen nicht aufzufallen. Die meisten Menschen benutzen die Hundeplätze leider falsch. Es sollte ein Ort sein, an dem Menschen Zeit mit ihren Hunden verbringen und genügend Platz dafür haben, und auch um anderen Menschen mit ihren Hunden zu begegnen. Das Problem ist, dass jeder Hundebesitzer seine eigene Idee hat, wozu dieser Platz gedacht ist. Dadurch kommt es dann häufig zu Schwierigkeiten. Manche Menschen haben z. B. ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit für die täglichen Runden mit dem Hund haben, oder auch wegen anderer Defizite wie z. B., dass ihr Hund stark an der Leine zieht oder dass sie ihn – im schlimmsten Fall – oft und lange zu Hause allein lassen. Dann versuchen sie das durch den Auslauf auf der Hundespielwiese zu kompensieren. Eigentlich ist dieser Platz dafür gedacht, Spaß zu haben, und nicht, um diese Probleme zu lösen. Viele Menschen sind auch der Meinung, ihr Hund müsse immer mit anderen Hunden spielen. Diese Menschen bringen dann einen aufgeregten und unausgeglichenen Hund auf die Wiese, und dann kommt es schnell zu Problemen. Meiner Meinung nach entfernen sich diese Menschen dann unbewusst von ihren Hunden. Es mag hart klingen, aber wir respektieren die Natur unserer Hunde nicht, wenn wir erwarten, dass sie nach dem Spielen auf einer Hundespielwiese müde sind. Sie sind dann nämlich nur körperlich müde, nicht aber müde im Kopf. Äußerlich mögen sie erschöpft sein, innerlich jedoch sind sie extrem aufgeregt. Der Weg zu einem ausgeglichenen Hund und einer guten Beziehung ist, dass der Hund unser Begleiter ist und wir ihn in unser Leben integrieren.

Wie sind Sie auf die „sanften Riesen“, die Doggen, gekommen? Wie viele Hunde leben derzeit bei Ihnen?

Das war einfach ein Zufall. Für mich sind Rassen nicht wichtig, ich liebe alle meine Hunde! Ich mag die unterschiedlichen Charaktere innerhalb meines Rudels und respektiere jeden Hund auf die gleiche Weise, egal ob große Dogge oder kleiner Chihuahua. Die Größe meines Rudels variiert ständig, es kommen Hunde dazu, und andere sind erfolgreich rehabilitiert und verlassen mein Rudel wieder.

Noch eine persönliche Frage: Allgemein wird immer behauptet, dass Hunde in Spanien nicht so einen Stellenwert wie in Deutschland haben und eher selten als Familienmitglieder angesehen werden. Gelten Sie als Spanier und mit Ihrem besonderen Verständnis für die Hunde als ein „Exot“ in Ihrem Heimatland?

Leider hat Spanien ein schlechtes Image im Ausland, und mir ist bewusst, dass ein großer Teil der Spanier immer noch weit „hinterherhinkt“, wenn es um das Thema Hund oder andere Tiere geht. Das verändert sich aber derzeit in großen Schritten: Es entwickelt sich ein starkes Bewusstsein für den Tierschutz. Die meisten Menschen in Spanien, die einen Hund haben, gehen sehr gut mit ihm um, und für sie ist der Hund ein Familienmitglied. Ich habe das Glück gehabt, zwischen solchen Menschen aufzuwachsen. Auch auf meiner Heimatinsel Mallorca hat sich sehr viel verändert: Heutzutage haben wir Hundestrände und Hundeparks, und in manchen Buslinien sind Hunde erlaubt. Demnächst wird es auch eine Tierschutz-Polizei geben. Einfach zu denken, ich wäre in meiner Heimat ein Exot, wäre, als wenn wir Spanier glauben würden, jeder Deutsche trägt eine Lederhose. (Er lacht.)

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Fritz & Anna-Redakteurin Sabina Pilguj

 

 



DOGStoday Magazin

Hundeexperte José Arce:

JEDER HAT DEN PERFEKTEN HUND!"


José Arce wird gerne als der „Hundeflüsterer von Mallorca“ bezeichnet. Er hilft Besitzern mit individueller Beratung, Missverständnisse in der Mensch-Hund-Beziehung aufzuklären.

Wir haben mit ihm gesprochen...


von Daniela Borsutzky


José Arce mag es nicht, wenn man ihn in die Schublade der Hundetrainer stecken will. Er sieht sich mehr als ein Vermittler. „Die wahre Verbindung zu unserem Hund hat jeder von uns – man muss sie nur wiederentdecken“, betont er während des Gesprächs mehrmals. In seinem 8500 Quadratmeter großem Refugium auf der spanischen Insel rehabilitiert José Arce scheinbar

untherapierbare Problemhunde – mit Erfolg. Er hilft Privatpersonen, gibt Workshops für Hundetrainer und hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Der gebürtige Mallorquiner lebt in seiner Finca mit einem ganzen Rudel von Hunden, welche ihn tagtäglich auch bei seiner Arbeit unterstützen.


Herr Arce, was sind Sie eigentlich von Beruf?

Es war schwer für mich, eine Bezeichnung für meine Tätigkeit zu finden. Meine Kunden nannten mich schnell den „Hundeflüsterer von Mallorca“. Ich fühle mich aber nicht wie ein Hundeflüsterer, erst recht nicht wie ein Hundetrainer! Ich versuche den Menschen die Augen zu öffnen und sie aufzuklären. Sie müssen zum einen den Hund als das erkennen was er ist – nämlich als Hund – und zum anderen lernen, ihren eigenen Instinkten, ihrem Bauchgefühl wieder zu vertrauen. In einem sehr persönlichen Weg versuche ich das bei meinen Kunden zu erreichen. Daraus hat sich schließlich die Bezeichnung „Mensch-Hund- Therapeut“ ergeben.


Mit welchen Problemen kommen Hundebesitzer zu Ihnen?

Zunächst sind es die üblichen Schwierigkeiten. Der Hund zieht an der Leine oder kann nicht

alleine Zuhause bleiben, ohne die Nachbarn zu stören. Oft sind die Menschen, die mich um Hilfe bitten, schon sehr verzweifelt und haben bereits alles Mögliche unternommen, um Ihre Probleme zu lösen, jedoch ohne Erfolg. Da geht es dann häufig um Aggressivität oder wenn der Mensch die Kontrolle über seinen Hund verloren hat. Diese Hundehalter sind dann am Boden zerstört und verzweifelt. Mich rufen zum Teil weinende Menschen an und sagen Dinge wie „Mir will niemand mehr helfen“, oder „Man hat mir gesagt, dass ich meinen Hund einschläfern lassen soll.“ Man muss sich dazu immer eines vor Augen führen: Es gibt keine schlechten Hunde! Zu Problemen kommt es, weil wir Menschen – meist unbeabsichtigt – etwas falsch machen und der Hund dann dementsprechend darauf reagiert. Und wenn es dann irgendwann so- weit ist, dass der Mensch innerlich aufgibt, dann merkt das der Hund natürlich auch.


Worüber schreiben Sie in Ihren Büchern?

Im ersten Buch ging es um meine „Geheimnisse“, die die Grundlage für ein glückliches Leben mit einem Hund darstellen. In meinem neuen Buch vertiefte ich diese in der Praxis. Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund – das ist mein Motto. Genau in dieser Reihenfolge, das ist wichtig. Es ist im Grunde ganz einfach: Wer seinen Hund als solchen wahrnimmt, seine Bedürfnisse respektiert und mit ihm artgerecht kommuniziert, kann intuitiv und ohne strenges Regelwerk das Vertrauen aufbau- en, das sich jeder Hundehalter wünscht. In meinem aktuellen Buch zeige ich in drei Schritten den Weg für ein glückliches Zusammenleben zwischen Mensch und Hund.

Im ersten Schritt wird eine intensive Bindung zum Hund hergestellt. Die korrekte Körpersprache und Führung wird anhand von Übungen erlernt. Im zweiten Schritt werden die Basics trainiert, die jeder Hund beherrschen sollte, um in unserer Welt gut zurechtzukommen. Auf dem Programm stehen Klassiker wie Sitz, Platz und Rückruf.

Im dritten Schritt werden verschiedene Alltagssituationen, wie das Aussteigen aus dem Auto, geübt und spielerisch trainiert.


Der Titel Ihres neuen Buches lautet „Individuelle Wege zum perfekten Mensch–Hund–Team“. Glauben Sie denn an Perfektion?

(Lacht) Naja, es ist doch so, dass jeder Hundehalter diese Perfektion, die wahre Verbindung sucht. Selbstverständlich gibt es nicht nur schwarz oder weiß, oder die eine Perfektion.

Aber es gibt eine natürliche und instinktive Verbindung zwischen Mensch und Hund, man muss sie nur wieder finden. Dabei helfe ich gerne. Jeder hat den perfekten Hund – man muss nur seine Augen und sein Herz aufmachen.


Sie haben ja nicht nur einen Hund, sondern gleich ein ganzes Rudel – vor allem Doggen.

Was mögen Sie an dieser Rasse?

Das war einfach ein Zufall. Für mich sind Rassen nicht wichtig, ich liebe alle meine Hunde! Ich mag die unterschiedlichen Charaktere innerhalb meines Rudels und respektiere jeden Hund auf die gleiche Weise. Egal ob große Dogge oder kleiner Chihuahua.


Sie sprechen immer wieder von der Vermenschlichung des Hundes als Problem...

Dieses Wort wird oft benutzt, aber kaum jemand versteht wirklich was damit gemeint ist! Für mich bedeutet die Vermenschlichung eines Hundes, dass der Mensch seine Bedürfnisse und Wünsche auf den Hund projiziert und dabei vergisst, dass er einen Hund vor sich hat. Doch als solchen muss er ihn respektieren und verstehen, dass er die Verantwortung für ihn übernommen hat. Ich kann das Problem, das viele Menschen mit dieser Situation haben, durchaus nachvollziehen. Der Hund an sich ist ja bereits eine Vermenschlichung durch Domestizierung, denn wir haben ihn erschaffen. Ich selbst liebe meine Hunde wie eigene Kinder – aber vergesse nie, dass sie Hunde sind.


Vielen Hundehaltern fällt es schwer konsequent zu sein...

Konsequenz ist wichtig, aber funktioniert bei unserem Hund nur, wenn sie ehrlich gemeint ist. Der Schlüssel zur Konsequenz ist also die Überzeugung. Ein Spaziergang kann für unseren Hund gefährlich sein, beispielsweise wenn wir eine Straße überqueren. Wenn mir die gefährliche Situation bewusst ist und ich überzeugt davon bin, dass es besser ist wenn er an der Leine geht, dann bin ich automatisch konsequent.


Kommen bei Ihrer Hundeerziehung Belohnung und Bestrafung zum Einsatz?

Das Wort Erziehung mag ich eigentlich nicht, denn es hat für viele Menschen einen unangenehmen Beigeschmack.

Mit Belohnung und Bestrafung im herkömmlichen Sinne arbeite ich nicht. Für mich sind meine Hunde wie meine Kinder. Wenn sie etwas falsch machen, dann zeige ich ihnen wie es richtig ist. Wenn ich meinen Hund rufe und er kommt, dann belohne ich ihn indem ich ihn streichle oder mich einfach freue. Wenn er aber nicht kommt, dann bestrafe ich ihn nicht. Ich suche den Fehler bei mir, denn offenbar habe ich ihn falsch konditioniert. Da ist mir der Respekt gegenüber meinen Hunden sehr wichtig. Belohnung ist für mich, ebenso auch für meine Hunde,

jeder Moment, den wir zusammen verbringen.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!




Hundeschau

Richtig miteinander spielen

 

Beinahe jeder Hundebesitzer spielt gerne mit seinem Hund. Dabei sollten Sie allerdings ein paar Dinge beachten Text: José Arce

Folgenden Satz höre ich in letzter Zeit immer häufiger: „Hilfe, mein Hund ist hyperaktiv.“ Ich frage mich manchmal wirklich, wo all diese Tiere plötzlich herkommen sollen. Wenn ich aber unterwegs bin und sehe, wie und vor allem in welchem Ausmaß die Leute ihre Hunde beschäftigen, wundert es mich nicht mehr, dass einige unserer Vierbeiner so überdreht und nervös sind.

Das Fatale ist, dass sehr viele Hundebesitzer davon ausgehen, dass sich ihr Hund zu wenig bewegt, wenn er unausgeglichen ist und nicht zur Ruhe kommt. Und deshalb versuchen, ihn immer mehr auszupowern.

Hunde sind für mich in vielerlei Hinsicht wie Kinder, aber eines haben sie ganz offensichtlich mit jenen gemeinsam: Sie lieben es zu spielen. Nicht nur mit ihresgleichen, sondern

auch mit uns Menschen. Und das Schöne am Spiel ist, dass es nicht nur ihm Freude bereitet, sondern auch uns.

Spielen ja, aber nicht irgendwie

Was man spielt, ist dabei eigentlich egal. Ich zum Beispiel liebe es, einfach mit meinen Hunden herumzutoben und genieße den Körperkontakt, den wir dabei ganz automatisch haben. Was nicht egal ist, ist, wie man miteinander spielt. Leider kann man eine ganze Menge falsch machen. Das musste auch ein junger Mann erfahren, der eines Tages meine Hilfe suchte. Und er ist beileibe nicht der einzige dem es so erging. Weil er selbst recht sportlich war und sich am liebsten in der freien Natur aufhielt, war seine Wahl bei der Suche nach einem passenden Hund auf einen Border Collie gefallen. Zwei Jahre war dieser jetzt alt. Der junge Mann hatte sein Studium beendet und arbeitete jetzt in einem kleinen Start-up-Unternehmen. Den Hund mit zur Arbeit zu nehmen, war kein Problem. Die Zeit für gemeinsame Jogging- und Radtouren jedoch war mit den Monaten immer weniger geworden. Deshalb hatte er angefangen, einen Ball mit ins Büro zu nehmen, damit er wenigstens zwischendurch mit seinem Vierbeiner spielen konnte. Mittlerweile hatte er sich angewöhnt, den Ball vom Schreibtisch zur Tür hinauszuwerfen, wo er den langen Flur entlangflog und kullerte.

Wenn das Spielen kontraproduktiv ist

Das war praktisch und der Vierbeiner schien Gefallen daran zu finden. Daher warf er den Ball jedes Mal wieder, wenn der Hund ihn brachte. Und der kam oft. Geschätzt kämen sie so sicher auf ein bis zwei Stunden am Tag, in denen der Hund immer nur hin und her sauste, meinte er. „Wenigstens wäre der Hund durch die ganze Rennerei“, so hoffte der junge Mann, „abends so müde wie nach dem gemeinsamen Laufen.“

Seltsamerweise war der Hund zu Hause aber viel aufgedrehter als früher. Überhaupt gab es immer öfter Probleme, weil er nicht so folgte, wie es der Mann sich wünschte. Er lief auch schlechter an der Leine und bellte andere Hunde an. Das hatte er bisher nie gemacht. Was war nur los?

Der junge Mann und sein Border Collie sind kein Einzelfall. Leider ist diese Art des Spielens nämlich weitverbreitet. Es beginnt häufig damit, dass man mit einem Ball, Stock oder Frisbee aufgeregt vor dem Hund hin und her wedelt und ihn zum Beispiel mit Worten anstachelt wie: „Schau mal, was ich hier habe.“

Im Hund wird das Jagdverhalten geweckt

Vielleicht tut man ein paarmal so, als würde man Ball, Stock oder Frisbee werfen. Auf jeden Fall wird der Hund dadurch extrem erregt – zum einen, weil sich die eigene Stimmung auf ihn überträgt, zum anderen weil sein natürlicher Jagdinstinkt geweckt wird. Wenn man das Ding dann endlich wirklich wirft, kann der Hund gar nicht anders, als wie der Blitz hinterher- zujagen. Kommt er dann mit der „Beute“ zurück und man wirft sie erneut, steigert man die Aufregung immer noch weiter. Mit jedem Wurf noch ein bisschen mehr. So weit, bis man schließlich nicht mehr von Spielen reden kann, weil es für das Tier fast schon ein Zwang ist, dem Ball hinterherzulaufen

Durch das Hin-und-Her-Gerenne verausgabt sich der Vierbeiner zwar vielleicht körperlich völlig, mental aber ist er angespannt wie ein Flitzebogen. Er ist nervös, gestresst und überdreht, und diese Verfassung kann schnell einmal in eine problematische Haltung umschlagen.

Der Hund übernimmt die Kontrolle!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Das Problem ist nicht, dass der Mann mit seinem Hund Ball gespielt hat. Das Problem ist, dass er mit diesem Spiel den Spaziergang ersetzen wollte. Er wollte das Spiel nutzen, um dem Hund ein Ventil zu geben. Doch was macht der Hund? Er versucht, sein Umfeld zu kontrollieren und selbst zu bestimmen, was wie abläuft. Er läuft dann zum Beispiel beim Gassigehen immer vornweg, zieht also auch an der Leine, bellt Artgenossen oder Menschen aus dem Weg – genau wie der Border Collie meines Kunden. Dazu kommt noch: Weil dieser Hund selbst bestimmen konnte, wann gespielt wurde, geriet das bisher gültige Vertrauen im Mensch-Hund- Team zusätzlich gehörig ins Wanken. Denn ein Hund fühlt sich schnell als angespannter Kontrollfreak, wenn wir den Ball jedes Mal werfen, sobald er ihn uns vor die Füße legt. Dadurch nämlich hat er das Gefühl, das Spiel zu kontrollieren. Dabei sollte genau das unsere Aufgabe sein.

Kein Wunder also, dass der Hund gar nicht mehr zur Ruhe kam. Im vermeintlichen Bewusstsein, das neue „Familienoberhaupt“ zu sein, hatte er gar keine Zeit mehr, sich auszuruhen. Schließlich musste er ja immerzu aufpassen, was um ihn herum alles passiert. Damit ihm und seinem Herrchen nichts passiert.

Das falsche Spiel kann also ganz schön gewaltige Folgen für die Mensch- Hund-Beziehung haben. Und es steht der Harmonie absolut im Wege.

Ein Spiel muss ein Spiel sein

Niemand sollte Spielen als Mittel benutzen, um den Hund müde zu machen oder zu erziehen. Ein Spiel muss ein Spiel sein und darf nichts anderes ersetzen. Es muss für beide immer als solches erkennbar sein. Und dazu gehört auch, dass es zeitlich begrenzt ist. Das ist sogar besonders wichtig.

Es mag hart klingen, aber wir respektieren die Natur unserer Hunde nicht, wenn wir erwarten, dass sie nach dem Spielen müde sind. Sie sind dann nämlich nur körperlich müde, nicht aber müde im Kopf. Äußerlich mögen sie erschöpft ein, innerlich jedoch sind sie extrem aufgeregt. Unsere Hunde brauchen nicht nur eine Arbeit, um müde zu werden. Sie brauchen auch eine Aufgabe, die sie geistig fordert. Bei Tieren, denen diese vorenthalten wird, muss ich immer ein bisschen an Kinder denken, die von ihren Eltern vor den Fernseher gesetzt werden, damit die ihre Ruhe haben. Dass der Nachwuchs danach umso zappeliger und unausgeglichener ist, scheint ihnen nicht aufzufallen. Sie kommen der Natur Ihres Hundes noch näher, wenn

Sie bei der Wahl des Spiels berücksichtigen, welche Aufgaben seiner Rasse ursprünglich zugedacht waren. Spaniel zum Beispiel lieben es, Dinge aus dem Wasser zu apportieren, weil sie zur Entenjagd gezüchtet wurden. Es entspricht daher ihrer Natur, wenn sie sich im Wasser austoben können. Huskies haben Spaß daran, ihren Menschen auf Rollerblades hinter sich herzuziehen. Genauso nimmt ein ausgebildeter Münsterländer die Jagd mit einem Jäger wie ein Spiel. Aber diese Arbeit allein genügt ihm nicht. Der Jäger geht schließlich nicht jeden Tag auf die Pirsch. Daher hat der Hund wie jeder Vierbeiner noch seinen normalen Alltag. Jagen kann deshalb nicht die einzige Art sein, ihn auszulasten. Viele Menschen, die auf die oben beschriebene Art und Weise mit ihrem Hund spielen, hätten dazu vermutlich ohnehin nicht die Zeit – so wie mein Kunde.

Unser Alltag hält zum Glück genug andere Aufgabenstellungen bereit, in denen sich der Hund profilieren kann. Die beste davon ist das disziplinierte Gassigehen. Auch wenn Sie im Alltag immer wieder die Dinge verlangen und üben, die Sie Ihrem Hund beigebracht haben, fordern Sie ihn auf ganzheitliche Art und Weise. Beschäftigung muss in den Alltag integriert werden, dann fühlt sich der Hund wohl. Und das schlägt sich auch auf sein Verhalten nieder: Wenn der Vierbeiner seinen Beitrag zu einem harmonischen Mit- einander leistet, indem er das macht, was er machen soll, ist er ausgeglichen und ruhig. Dann ist er der souveräne Hund, den wir uns wünschen.

Ach ja, auch beim gemeinsamen Radfahren oder Joggen wird der Hund müde – aber eben nicht nur körperlich. Weil er uns dabei immer folgen muss, ist es echte Arbeit für ihn. Das leuchtete auch dem jungen Mann mit dem Border Collie ein. Schließlich gab es keinerlei Probleme, als die beiden noch gemeinsam Sport getrieben hatten. Erst infolge des falschen Ballspiels sah der Hund sein Herrchen nicht mehr als den Verantwortlichen an, der dieser zuvor für ihn war.

Statt dem Tier Sicherheit zu schenken, vermittelte der Mann ihm nun das Gefühl, dass er seinen Menschen glücklich mache, wenn er immer auf einem hohen Niveau von Energie wäre. Dabei wünschte der Mann sich doch genau das Gegenteil.



SPIELEN AUF MEINE ART

Verstecken spielen

Manchmal verstecke ich mich schnell, wenn mein Hund gerade konzentriert irgendwo herumschnüffelt und rufe ihn dann. Es dauert zwar nie lang, bis er mich entdeckt, aber es macht ihm Spaß, mich zu suchen. Und wenn er mich gefunden hat, toben wir ausgelassen noch ein bisschen miteinander herum.



Sich richtig austoben

Beim Fangen spielen muss sich der Hund ganz auf mich konzentrieren. Das fordert seinen Kopf und nebenbei kommt er auch noch gehörig außer Puste. Ich übrigens auch. Wenn Sie sich dabei albern vorkommen, können Sie genauso gut auch mit Ihrem Hund joggen gehen. Was Sie für Sport halten, ist für ihn ein Spiel: gemeinsam durch die Natur rennen.



Gemeinsam die Welt entdecken

Es muss nicht immer wild zugehen. Sie können auch kleine Fährten für Ihren Vierbein- er legen, sich gemeinsam auf Spurensuche begeben oder ein neues Gebiet entdecken. Für Ihren Hund ist vor allem wichtig, dass Sie dabei ganz bei der Sache sind und nicht nebenbei mit dem Handy telefonieren oder sich anderweitig beschäftigen. Spielzeit ist ganz bewusst Zeit nur für Sie zwei. Genießen Sie die Nähe!


MIT ALLEN SINNEN DABEI SEIN

Wie aber kann man nun mit dem Hund spielen, ohne ihm zu schaden? Wie gelingt es, dass beide Freude daran haben und gleichzeitig noch die Beziehung zueinander gefestigt wird? Zum Beispiel indem Sie beim Spaziergang eine Pause machen, in der Sie ganz bewusst miteinander spielen. Dadurch vermitteln Sie Ihrem Hund, dass Sie mit ihm spielen, um ihm eine Freude zu bereiten.

Geben Sie dem Hund außerdem immer das Gefühl, dass Sie die Kontrolle über das Spiel haben. Dazu gehört auch, dass Sie ganz bei der Sache sind und nicht am Handy telefonieren oder sich mit anderen Hundebesitzern unterhalten. Und zu Hause, dass Sie nicht einfach nebenbei beim Fernsehen den Ball werfen. Oder im Büro, während Sie am Computer arbeiten. Wenn Sie nicht die Muße haben, sich voll und ganz auf Ihren Hund einzustellen, lassen Sie es lieber ganz bleiben. Auch wenn Sie es bisher so gemacht haben. Sie brauchen kein schlechtes Ge- wissen haben oder sich gemein vorkommen, wenn Sie seiner Auf- forderung zum Spiel plötzlich nicht mehr nachkommen. Was Sie Ihrem Hund dafür geben, ist so viel mehr: Er kann wieder lernen, Ihnen zu vertrauen, sich Ihnen anzuvertrauen. Und er kann endlich wieder zur Ruhe kommen. Er selbst sein.

DAS SPIEL BEENDEN

Vorsicht: Auch wenn man es richtig macht, kann ein Spiel den Hund „hoch-pushen“. Man muss ihn daher anschließend auch wieder zur Ruhe bringen. Dies gelingt am einfachsten, indem man selbst aufhört und wieder ruhig wird. Dann kommt der Hund automatisch ebenfalls runter.

Sagen Sie nicht: „So, jetzt ist aber Schluss. Wir hören auf.“ Zeigen Sie ihm durch Ihr Verhalten, dass Sie selbst jetzt aufhören. Nehmen Sie zum Beispiel den Ball an sich und gehen Sie langsam ein Stückchen weiter. So beenden Sie die Spielzeit ohne Worte. Reagieren Sie auch nicht auf weitere Aufforderungen Ihres Hundes. Normalerweise wird er ziemlich schnell kapieren, dass der Spaziergang jetzt normal weitergeht. Wenn er es drei-, vier- oder fünf- mal immer weiter versucht, hat er gelernt, dass er nur lang genug nerven muss, damit Sie weiterspielen. Indem Sie nachgegeben haben, haben Sie ihn unbewusst (und ungewollt) darauf konditioniert. Aber auch hier lässt es sich umlernen. Es dauert nur vielleicht ein bisschen länger. Irgendwann wird aber jeder Hund merken, dass es einfach viel mehr Spaß macht, seinem Menschen zu folgen als noch einmal dem Ball oder Stöckchen hinterherzuhetzen. Weil das einfach seinem echten Wesen entspricht. Und ihn genau deshalb auch in dem Maße auslastet, das er braucht, um ein ausgeglichener, souveräner Partner zu sein. Wenn Sie richtig mit Ihrem Hund spielen, haben also beide etwas davon. Sowohl ihr Hund als auch Sie!

Am Beispiel des Spielens wollte ich Ihnen zeigen, wie unkompliziert Hundeerziehung sein kann und wie gut sie sich in den gemeinsamen Alltag integrieren lässt. Ein perfektes Mensch- Hund-Team muss kein Traum bleiben. Sie müssen sich nur trauen, alte Verhaltensmuster hinter sich zu lassen und neue Wege zu gehen. Ihr Hund wird Sie gern auf dieser Reise begleiten.

José Arce ist Hund-Mensch-Therapeut. Er stellt die Verbindung zwischen Mensch und Hund wieder her. Seine Kunden nennen ihn auch gerne den „Hundeflüsterer von Mallorca“. José Arce sieht seine Aufgabe darin, Türen zu einem besseren Miteinander zu öffnen und einen entspannten und friedvollen Alltag mit dem geliebten Haustier zu ermöglichen. Der Weg zu einer echten Beziehung zum Hund führt für ihn über die Instinkte – die des Hundes, aber auch die des Menschen. Weitere Informationen unter: www.jose-arce.com



DOG`S AVENUE

PERSONALITY José Arce

VERTRAUEN schaffen,

richtig kommunizieren und erziehen

 

José Arce geht seit vielen Jahren seiner Berufung und seiner eigenen und

unkonventionellen Methode im Umgang mit Hunden nach.

José Arce öffnet Türen zu einem besseren Miteinander und ermöglicht einen entspannten und friedvollen Alltag mit dem geliebten Haustier. Der Weg zu einer echten Beziehung zum Hund führt über die Instinkte des Hundes, aber auch über die des Menschen. José Arce nutzt auf intuitive Weise die ursprüngliche Form der Kommunikation zwischen Mensch und Hund - ganz ohne unnötiges Beiwerk oder harte Regeln. www.jose-arce.com

Die Prinzipien von José Arce sind einfach: Wer seinen Hund als solchen wahrnimmt, seine Bedürfnisse respektiert und mit ihm artgerecht kommuniziert, kann intuitiv und ohne strenges Regelwerk das Vertrauen aufbauen, das sich jeder Hundehalter wünscht.

Lassen Sie nicht zu,

dass Ihr Hund die Situation klärt.“

Was ist für Sie die wichtigste Grundlage für eine stressfreie Hundebegegnung?

Das Ihr Hund Ihnen vertraut und die Beziehung zwischen Mensch und Hund stimmt. Denn wenn das nicht so ist, wird der Mensch automatisch die Lösung oder das Problem bei den anderen suchen und nicht bei sich selbst. Wenn unser Hund uns vertraut und wir in der Lage sind, ihm die Sicherheit zu vermitteln, werden wir kein Problem mit unserem Hund haben. Es ist einfacher und ehrlicher, wenn wir unserem Hund zeigen, wie er sich benehmen muss, unabhängig davon, welchen Hund wir auch treffen. Ihr Hund muss wissen, egal was für einen Hund Sie treffen: Sie haben die Verantwortung !

Wie erkenne ich, ob ein an- derer Hund ausgeglichen und nicht aggressiv ist?

Oft an der Reaktion unseres eigenen Hundes. Wir sollten die Signale unseres eigenen Hundes lesen und verstehen können. Begegnet uns ein anderer Hund, kann eigentlich jeder Mensch erkennen, ob dieser aus- geglichen ist. Oftmals macht der Mensch dann aber den Fehler, Aufregung mit Freu- de zu verwechseln. Beispiel: Wir sehen einen Menschen, der mit einem aufgeregten Hund auf uns zu kommt. Dann sollten wir uns zuerst einmal fragen: Will ich, dass mein Hund Kontakt mit diesem Hund hat? Tut das meinem Hund gut, werde ich in der Lage sein, meinen Hund wieder Sicherheit zu geben - falls die Aufregung in Aggressivität umschlägt?

Aus Ihrer Erfahrung: Was sind die häufigsten Fehler, die Frauchen bei

bei der Hundebegegnung machen?

Jeder Mensch möchte etwas anderes! Aber: Alle möchten etwas Gutes für ihren Hund machen. Viele Menschen glauben jedoch, dass jede Hundebegrüßung unserem Hund gut tut und ihr Hund jeden anderen Hund begrüßen muss. Andere Menschen vermeiden jegliche Begrüßung. In diesen beiden extremen Beispielen denken die Besitzer, dass sie alles richtig machen. Ich bin der Meinung, dass wir, wenn wir mit unserem Hund auf der Straße spazieren gehen und einen anderen Hundebesitzer treffen, in der Lage sein sollten, drei typische Hundebegegnungen zu meistern:

Wie kann ich meinen Hund vor einem Angriff durch einen anderen Hund schützen?

Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Hund die Situation klärt. Wir können nicht verhindern, dass andere Hunde unseren Hund angreifen oder unseren Hund provozieren. Für mich ist es wichtiger, dass mein Hund in so einer Situation weiß, dass ich ihn schütze. Der beste Schutz ist dann, dass ich meinem Hund die Ruhe und Sicherheit vermittle, dass er sich entspannen kann und somit auch keine Bedrohung mehr für den anderen Hund dar- stellt. Stellen Sie sich die Frage: Sie sitzen in einem Café und Ihr Hund liegt ruhig neben Ihnen. Dann kommt plötzlich ein anderer Hund vorbei und provoziert Ihren Hund. Sind Sie dann in der Lage, dafür zu sorgen, dass Ihr Hund ruhig und entspannt liegen bleibt? Wenn ja, haben Sie die Antwort, was Sie in solchen Situationen machen müssen. Wenn nein, müssen Sie anfangen zu verstehen, dass wenn Ihr Hund entspannt neben Ihnen liegt, bedeutet das, er fühlt sich sicher und behütet. Sie müssen es schaffen, dass Ihnen das auch in jeglicher Stresssituation gelingt. Wenn Ihnen das schwer fällt, zögern Sie bitte nicht und holen Sie sich professionelle Hilfe.

Was halten Sie von sogenannten Hundespielwiesen?

Die meisten Menschen benutzen diese Plätze leider falsch. Es sollte ein Ort sein, wo Menschen mit Hunden Zeit verbringen und genügend Platz haben, um sich mit ihrem Hund zu beschäftigen und anderen Menschen mit ihren Hunden zu begegnen. Das Problem ist, dass jeder Hundebesitzer seine eigene Idee hat, wozu dieser Platz gedacht ist. Dadurch kommt es dann häufig zu Problemen. Manche Menschen haben ein schlechtes Gewissen durch zu wenig Zeit für den Spaziergang oder andere Defizite wie z.B., dass ihr Hund stark an der Leine zieht und im schlimmsten Falls oft und lange alleine zu Haus ist. Dann versuchen sie das durch den Auslauf auf der Hundespielwiese zu kompensieren. Eigentlich ist dieser Platz dafür gedacht, Spaß zu haben und nicht, um diese Probleme zu lösen. Viele Menschen sind auch der Meinung, ihr Hund müsse immer mit anderen Hunden spielen. Diese Menschen bringen dann einen aufgeregten und unausgeglichenen Hund auf die Wiese und dann kommt es schnell zu Problemen. Meiner Meinung nach entfernen sich die- se Menschen dann unbewusst von ihren Hunden. Der Weg zu einem ausgeglichenen Hund und einer guten Beziehung ist, dass der Hund unser Begleiter ist und wir ihn in unser Leben integrieren.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

LESETIPP

Individuelle Wege zum perfekten Mensch- Hund-Team. Vertrauen schaffen, richtig kommunizieren und erziehen In drei Schritten zeigt José Arce in seinem Praxisbuch mit viel Einfühlungsvermögen

seine ganz eigene Methode für ein glückliches Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Im ersten Schritt wird eine intensive Bindung zum Hund hergestellt. Die korrekte Körpersprache und Führung wird anhand von Übungen erlernt. Im zweiten Schritt werden die Basics trainiert,

die jeder Hund beherrschen sollte, um in unserer Welt gut zurechtzukommen. Auf dem Programm stehen Klassiker wie Sitz, Platz und Rückruf. Im dritten Schritt werden verschiedene Alltagssituationen wie das Aussteigen aus dem Auto geübt und spielerisch trainiert. Alle Übungen werden dabei Schritt für Schritt erklärt und in den Alltag integriert. Gräfe und Unzer, 168 Seiten, ca. 200 Farbfotos, 16,99 € , ISBN: 978-3-8338-5222-0





Partner Hund Magazin

Beziehung

Vertrauen und Kommunikation

Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, mit seinem Hund zu einem perfekten Team zusammenzuwachsen. Vorausgesetzt, es herrscht eine intensive Bindung.

In seinem Praxisbuch erklärt José Arce genau, wie man zur absoluten Vertrauensperson für seinen Hund wird und ihm die Sicherheit vermittelt, die er braucht. Der Hund- Mensch- Therapeut erklärt Schritt für Schritt, welche Kommandos sitzen müssen und wie man sie mithilfe der korrekten Körpersprache einfach kommuniziert. Außerdem zeigt der Experte, wie sich problematische Alltagssituationen mit Ruhe und Gelassenheit lösen lassen.

▷„José Arce’s Praxisbuch“, von José Arce, Gräfe und Unzer Verlag, 168 Seiten,

16,99 €, ISBN 978-3-8338-5222-0 

Mallorca Magazin

Ein Teil dieser Insel

Als Sohn einer echten Mallorquinerin, die selbst aus einer Familie mit einer langen Geschichte stammt und eines Vaters aus Kastilien, der als Kind auf dem Festland den spanischen Bürgerkrieg und danach die harte Zeit unter Franco miterleben musste, zog es meinen Vater als jungen Mann nach Mallorca. Hier hoffte er auf ein besseres Leben und darauf, sein persönliches Glück zu finden. Hier lernte er meine Mutter kennen und gründete mit ihr eine Familie.

Ich wuchs inmitten des Stadtgetümmels von Palma auf. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenk, dann merke ich, was für ein Glück es war, auf dieser Insel aufzuwachsen, die schon damals so vielfältig war und wo ich bereits als Kind derart vielen unterschiedlichen und interessanten Menschen begegnen durfte. Ich glaube, dass genau diese Vielfalt Mallorcas in mir das Interesse geweckt hatte, offener zu leben, mehr von der Welt zu sehen und viele andere Menschen kennenlernen. Es lag vielleicht in meinen Genen, auszuziehen um die Welt zu entdecken, vielleicht aber hat die Vielfalt Mallorcas diesen Impuls in mir geweckt!

Als ich mit der Schule fertig war verließ ich die Insel und suchte mein Glück in Paris, Hamburg, Barcelona, Málaga, auf Teneriffa und in Köln. An all diesen Orten fühlte ich mich wohl und überall hatte ich ein Gefühl von Heimat. Meine Gedanken aber waren immer hier auf Mallorca. Ich bin überzeugt: wer mit sich selbst in Frieden lebt und die richtigen Menschen um sich hat, kann überall auf der Welt glücklich sein. Für mich aber war klar, ich muss wieder auf Mallorca leben!

Dieses Lebensgefühl hier, inmitten von Europa, umgeben von Natur, Kultur und vielen verschiedenen und interessanten Menschen, das habe ich nur hier gefunden und das genieße ich sehr. Mein Herz ist hier, bei meiner Familie, bei meinen Freunden aus der ganzen Welt, bei meinen Tieren und bei den Menschen dieser Insel. Damit meine ich alle jene, die Mallorca lieben. All jene, die so fühlen, wie ich. Jene, die Mallorca nicht als ihren Besitzt verstehen, sondern die wie ich, ein Teil dieser Insel sind.


Häufige Missverständnisse José Arce im Hundeschau Magazin

Hundeschau Magazin Nr 4/2015

 

"José hat uns neu programmiert", sagt Guido Maria Kretschmer, Modedesigner

Bild Zeitung Tipps vom Hundeflüsterer José Arce

Rolls-Royce Come Together Port Adriano

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